Archive: Mai 2016

Montag 9.5.2016

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Der 4. Reisetag

Sehr ausgiebiges Frühstück mit Doris in Radolfzell. Einige der reichlich angebotenen Brötchen nehme ich mit.  Sie werden heute mein Abendessen sein. Doris fährt zurück nach Lahr.

Die Strecke geht von Radolfzell bis fast nach Bregenz auf dem Bodenseeradweg. Den kenne ich gut von einigen früheren Touren. Obwohl ich eigentlich tagsüber bei den Radtouren nicht viel esse kann ich  heute nicht widerstehen. Kaum verlasse ich Baden-Württemberg gönne ich mir in einem typisch bayerischem Biergarten unter blühenden Kastanien eine echte Schweinshaxe mit Pommes frittes und Salat. Dazu alkohlfreies Weizenbier. Satt, zufrieden, etwas müde geht es weiter. Hinter Bregenz beginnen die Allgäuer Hügel. Der Bodensee-Königsee-Radweg führt  rauf und runter.  Sehr schöne Gegend, aber ich sehe mit Schrecken,wie die Akkuladung dahin schmilzt.

Im kleinen Ort Opfenbach sitz ein Mann lesend im gepflegten Garten. Ich grüße kurz, rolle weiter. Schnelle Überlegung: soll ich ihn fragen, ob ich in seinem Garten in meinem Anhänger schlafen darf? Und meine Akkus aufladen?Mir liegt so eine Ansprache überhaupt nicht. Aber ich hatte mir als eine Herausforderung die Aufgabe gestellt, nicht einfach in einem Gasthof oder Hotel zu übernachten, sondern privat. Um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Eigentlich wollte ich auf einen Bauernhof. Irgendwie hatte mich der ganz kurze Eindruck bei der Vorbeifahrt gelockt. Ich kehrte um. Hielt am Zaun. Sprach den immer noch lesenden  Mann an. Er war ohne jegliches Zögern bereit, mir seine Gastfreundschaft anzubieten! Ich rollte Fahrrad und Anhänger in den Garten. Sofort brachte er ein Verlängerungskabel für die Ladegeräte.

Ich schloss die Fahrradakkus gleich an. Fuhr die 4 in den Eckrohren des Anhängers verborgenen Stützen aus. Diese sind dazu da, das der Anhänger eben und fest steht. Klappt sehr gut. Sie haben verschiedene  Höhenstufen und ein Feingewinde, falls der Untergrund uneben ist.

Mein Gastgeber, Werner F., brachte mit ein Bier, lud mich zu sich und seiner Frau Lisa auf die Terrase ein. Vorher startete ich meine dji Phantom 4 Drohne. Ich machte Aufnahmen vom Haus und der Umgebung. Diese Luftbilder will ich als kleines Gastgeschenk später schicken.

Es war ein sehr schöner Maiabend, Blick nach Süden über die Hügel zum Säntis. Es wurde ein anregendes Gespräch mit Lisa und Werner. Sie reisen gerne, vorweigend nach Afrika. Selber hatten sie schon oft Gastfreundschaft erleben dürfen. Sicherlich ein Grund, auch mich so offen aufzunehmen.

Euch ganz herzlichen Danke für diese spontane Gastfreundschaft!

Strecke Radolfzell- Opfenbach 86 km

Tour Km : 392 km

 

Spendensammlung German Doctors Serabu

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Meine Fahrradtour rund um Deutschland möchte ich nutzen um für einen guten Zweck zu werben und Spenden zu sammeln. Ich engagiere mich für German Doctors. Diese Hilfsorganisation betreut 8 Projekte in Entwicklungsländern. Vor Ort wird unter anderem durch ehrenamtliche Ärzte Hilfe für die Ärmsten geleistet. Die Organisation verbraucht sehr wenig Gelder für die Verwaltung etc. Die Spenden kommen direkt den Projekten zugute. Ich entschied mich für Serabu in Sierra Leone. Seit 2010 wird das Serabu community hospital in einer abgelegenen Gegend unterstützt. Die medizinische Versorgung ist dort sehr unzureichend. Die eigenen Mittel reichen nicht aus. Deshalb unterstützt German doctors das lokale Krankenhaus.

Und hier kommen Sie direkt zu meinem Spendenprojekt auf der Seite der German Doctors:
https://www.german-doctors.de/de/sinnvoll-spenden/spendenaktionen/deutschland-umrundung.html

Unter diesem Link finden Sie Informationen zu dem Projekt Serabu:
https://www.german-doctors.de/de/projekte-entdecken/serabu.html

Ich bitte Sie, dieses Hilfsprojekt durch Ihre Spende zu unterstützen.

Jeder Beitrag ist wichtig, mag er auch noch so klein sein! Gerne können Sie meine Spendenaktion auch anderen weiterempfehlen, damit wir gemeinsam das Spendenziel erreichen. Ich bedanke mich jetzt schon für die Unterstützung!

Herzlichen Dank

Sonntag 8.5.2016

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Der 3. Tag:

Sonntag 8.5.2016

Übernachtung auf der Campingplatzwiese Hohentengen unmittelbar am Rhein. Ganz ruhig und schön. Morgens ist es im Wageninneren sehr feucht vom Tau. Ich mache mit der Drohne Bilder vom Rhein und der  Gegend. Es geht weiter.

Heute bleibe ich rechtsrheinisch. Vor Schaffhausen geht es steil hinunter zum Rheinfall. Die obligatorischen Fotos werden gemacht. Imponierend die tosenden Wassermassen. Und  hunderte überwiegend asiatische Besucher. Wieder hoch nach Schaffhausen. Stein am Rhein passiere ich an der Altstadt vorbei. An diesem warmen Pfingstsonntag ist reger Verkehr auf dem Radweg, aber erst recht auf der Straße rund um den Bodensee. Sicherlich kein Wunder, denn es ist hier besonders schön: der Blick über den Bodensee auf die immer noch schneeebedeckten Alpen, die alten Dörfer, viele Obstbäume, Wiesen.

Es ist nur eine relativ kleine Etappe bis Radolfzell geplant. Dort treffe ich mich mit 2 Radfreunden und Doris. Wir fahren zum Abendessen mit anderen Radfreunden nach Singen. Ein sehr netter Abend. Wir übernachten in unserem VW California auf einem Radolfzeller Stellplatz. Leider wecken uns viele Lastwagen am frühen Morgen. Nochmals verlade ich überflüssigen  Ballast vom Anhänger in den VW-Bus.

 

Tagesetappe Hohentengen – Radolfzell  74km, 18,7km/h Durchschnitt

Mitgefühl

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In den letzten Tagen erhielt ich Rückmeldungen von Betroffenheit und Mitgefühl nach meinem Sturz.

Es berührt mich sehr wie  viele Leser dieses Blogs mir ihr Genesungswünsche übermitteln.

Danke für Ihre Anteilnahme!

Die körperliche Regeneration geht doch viel langsamer, als ich anfänglich hoffte.

Die Unfallverletzungen waren viel schwerer, als geahnt. Sie machen mir jetzt nach 3 1/2 Monaten  immer noch sehr zu schaffen. Ständige Behandlung ist weiterhin notwendig.

Freitag 6.5.2016 – Samstag 7.5.2016

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Ich beginne nochmals der Reihe nach mit der Fahrtbeschreibung

  1. Reisetag   Freitag 6.5.2016:

9 Uhr Abfahrt am Lahrer Rathaus mit lieben Begleitern. Sogar die kleinen Enkeltöchter waren mit Schwiegertochter Birgit  auf dem Weg zur Kita auf ihrem Laufrad und kleinem Fahrrad gekommen. Herr Kramberg von der Badischen  Zeitung machte Bilder für eine großen Artikel am Samstag im Lokalteil der BZ. Vielen Dank !

Fahrrad mit Anhänger; viel zu schwer!

Auf der Waage Schock über das extreme Gewicht. Erste Pause am vorerst westlichsten Punkt: Rheinufer bei Ottenheim. Drüben auf dem anderen Ufer des Altrheins liegt eines unserer Stammlokale: Niemandsland oder Au Bord du Rhin. Besonders viel besucht in der momentanen Spargelzeit.

Der schwere Anhänger ist wegen des starken Boschmotores im Ebike keine Belastung. Aber die ganze Fuhre neigt zum Schwingen und Pendeln. Später merke ich, daß es  viel stabiler wird, wenn ich die Luftfederung am Fahrrad mit dem Hebel am linken Lenkerende auf hart stelle. So fahre ich dann die weitere Tour. Ich hatte gehofft, den ganzen April  Zeit für Test- und Einstellfahrten zu haben. Durch die Fertigstellung in der letzten Nacht ist es die erste Ausfahrt überhaupt.

Die schöne Tour führt auf dem Rheindamm entlang. Rechts der Altrhein , später der schiffbar ausgebaute Verlauf, links die Rheinauen. Sie sind teils ursprünglich, teils künstlich angelegt. Berühmt für die vielen seltenen Vögel. Mir fallen einige schwarze Kormorane auf. Das Wetter ist perfekt: Sonne, kaum Wind, nicht zu heiß.

 

Abschied von Alice, Fritz und Doris . Sie nehmen den ersten ausgemusterten  Ballast mit: einen Campingstuhl, einen faltbaren Tisch, eine 6l-Kühlbox, gedacht für Frühstücksmilch, Joghurt und das kühle Hefeweizen am Abend. Muß raus. Da gibt es kein Zaudern.

Weiter mit Werner durch die Auwälder bis Rheinhausen. Er fährt zurück.

Es hat mich sehr gefreut, dass Ihr mitgefahren seid! Vielen Dank!

In Rheinhausen, nach 43km, passiere ich die Metzgerei Kaiser. Neue Energie durch sehr guten Fleischkäse, Kartoffelsalat und Cola (trinke ich sonst nie). Unbemerkt vergesse ich einen kleinen GPS-Sensor meiner Polaruhr. Herr Kaiser kontaktiert mich später über diese Website. Ich werde den Sensor bald holen.  Danke!

Weiter nach Breisach, 73km.  Pause bei einem tollen Eisbecher. Akkus werden geladen. Es wird spät. Rolle jetzt immer zügiger und geübter durch die Auwälder. Ich wollte auf Bauernhöfen übernachten. Es gibt keine im Wald. Wie schon beschrieben  finde ich einen Gasthof mit Reisemobilparkplatz in Müllheim.

Fahrstrecke Lahr –  Müllheim 111 km am 1. Tag. Schnitt 17,9 km/h.

Ende 1.Tag

Nach dem guten und reichlichen Abendessen wird es spannend: die erste Nacht im Anhänger. Aus den Eckrohren senke ich die Aufsteller ab. Der Anhänger steht stabil, gerade, die Räder sind entlastet. Deckel aufstellen, fixieren. Das Bett erwartet mich. Strom für die Akkus anschließen. Zähne putzen, mehr Körperpflege geht nicht  auf diesem Parkplatz. Um ins Bett zu kommen muß ich etwas hoch klettern. Dort wurde eine  Querstrebe nachträglich eingebaut zur Stabilierung und als Widerlager der Türflügel.

Die Grundidee für den Anhänger war : ich möchte wegen seit 50 Jahren immer wieder mich quälenden Rückenschmerzen  in einem bequemen Bett schlafen. Deshalb wurde der Anhänger so groß. Viele Falt- und Klappvarianten hatte ich durchdacht und verworfen.  Das Bett ist fast zu weich. Lattenrost, darauf Schaumstoffmatratze, kein Schlafsack, der wäre mir zu eng.

Bettmaße: 180cm x 72cm. Breite ist gut, Länge knapp , bin 169cm groß. Später lege ich mich diagonal. Bringt mehr Fußraum. Der Schlaf ist unruhig. Ich wache ständig auf. Obwohl es draußen ruhig ist. Alles noch ungewohnt.

2. Reisetag  Samstag 7.5.2016

Zusammenpacken dauert 30 Minuten.

Dann rolle ich Richtung Basel. Die erste Bergetappe: die Schliengener Steigung. Der Boschmotor zieht uns mit meiner tatkäftigen Tretunterstützung den langen Berg rauf. In Weil passiere ich die vitra Fabrik und die berühmten Häuser. Ab Basel geht es wieder am Rhein entlang. Lange Kaffee-Akkulade-Pause in Grenzach-Wyhlen. Weiter. Essen gibt es nach 14 Uhr in Bad Säckingen nicht mehr. Nur Getränke und Akkus erneut laden. Ich entleere jeden Akku nur teilweise, damit dann beide gleichzeitig mit den 2 Ladegeräten aufgeladen werden. Weiterfahrt auf der Schweizer Rheinseite bis Kaiserstuhl. Es rollt sehr gut. Ich suche nach einer Anschrift in Hohentengen. Dort wollte ich auf dem Bauerhof eines früheren Patienten übernachten. Handy klappt nicht. Immer Schweizer Netz. Immer automatische Stimme. Das Navi kennt die Anschrift nicht, auch Passanten nicht. Die Akkus sind fast leer. Finde ich einen Schlafplatz? Alice ruft an. Sie hatte in den Nachrichten von einem schrecklichen Unfall in Bad Säckingen gehört, bei dem ein Radfahrer getötet wurde. Sie ist erleichtert, mit mir sprechen zu können. Es ist schon nach 19 Uhr.  Ich spreche mit Doris und kann auch ihre Sorge schnell beenden. Telefon geht wohl gerade nur an dieser einen Stelle auf einer kleinen Anhöhe. Die Telefonnummer des Patienten ist falsch. Der quirlige Chef des Landgasthofs Ratsstube zeigt mir den Weg zum Campingplatz.

Übernachtung Hochtengen

Runter an den Rhein. Sehr idyllisch: extra Wiese mit lauter Radlern und Paddlern mit ihren Leichtgewichtzelten. Ich mit dem fetten Anhänger. Zu Fuß wieder den Berg rauf. Auf der Terasse der Ratstube Filet-Pommes-Salat-Bier. Super. Langes und intensive Gespräch mit 3 Tischnachbarn über Leben-Tod-Nahtoderfahrungen-Meditation-Weißheiten etc. Solche völlig unerwartete, ganz schnell sehr persönliche Gespräche sind die Höhepunkte einer solchen Reise.

Nachts merke ich, so spät sollte ich nicht  viel essen. Aber der große Hunger…

Tagesstrecke fahrtechnisch optimal: gute Radwege, relativ wenig Steigungen, Strecke Müllheim – Hohentengen 121km, Durchschnitt steigt auf 18,6km/h.

Ende 2.Tag

Dienstag 10.5.2016 : Unerwartete Unterbrechung, vorzeitiges Ende der 1. Etappe

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Ich bin wieder in Lahr!

Was bisher geschah:

Dienstag 10.5.2016: Die 3. Nacht im Anhänger. Im Garten von L. und W. F., Opfenbach. Morgens tropft das Kondenswasser von Mittelstreben unter dem Deckel

auf mein Bett.  Draußen ganz leichter Regen, ein blutroter Sonnenaufgang

Blick nach Süden zum Säntis    IMG_20160509_180424

Wenn es jetzt  stark regnete  würde beim Öffnen des Eingangs  die Matratze nass werden. Der Deckel macht beim Öffnen  am Fußteil – das ist vorn im Anhänger – eine Bewegung von zirka 25 cm nach oben und 15 cm nach vorn. Hinten öffnet sich der Deckel um 90 cm wegen der notwendigen Sitzhöhe zum Umkleiden. Es wäre besser gewesen,  diese Öffnungsbewegung so nach hinten zu machen, dass die Oberkante des Deckels über die Matratze ragt. Das Fußende wäre durch Zeltstoff geschützt.

Es werden sich sicherlich noch einige Punkte herausstellen die verbessert werden könnten.

Alles wieder abbauen und zusammenpacken dauert zirka 30 Minuten. Mein freundlicher Gastgeber Werner lud zum Kaffee ein. Wir sprachen über seine Erfahrungen als Fußballschiedsrichter. Lisa und Werner: ganz herzlichen Dank für die spontane Bereitschaft den am Garten vorbei radelnden Fremden gastfreundlich aufzunehmen!

Es geht los auf dem Bodensee-Königssee-Radweg. Schon nach kurzer Strecke verfahre ich mich. Kämpfe mich mit dem schweren  Anhänger eine lange Steigung hinauf. Oben wird klar, da geht es nicht weiter. Also zurück in den nächsten Ort. Jetzt sehe ich ein Radweg-Schild. Weiter. Tagesziel Oberstdorf. Dort will ich den Anhänger stehen lassen, einen Feldweg zum Schrofen-Pass so weit radeln wie es ohne Probleme geht. In Google Earth sieht es gut machbar aus. Das soll die südlichste Stelle meiner Deutschlandumrundung werden. Mein 1. Zipfelort – so nennen sich die 4 äußersten Orte im Süden-Osten-Norden-Westen Deutschlands.

Weiter Hügel auf und ab. Fixierter Blick auf die Akkureichweite. Der super starke Boschmotor mit 75 NM und 250 Watt Maximalleistung hat 4 Unterstüzungsgrade, Eco-Tour-Sport-Turbo. Tour reicht in der Ebene.

Von Lahr bis Lindau kam ich immer besser ins Rollen. Der Fahrtschnitt stieg von zuerst 16 km/h auf zuletzt 19  km/h für die gesamte Strecke. Reisetempo 25km/h im 11.Gang – von 14 des Rohloffnarbengetriebes-  mit Tour oder Sport-Unterstützung. Bei starken Steigungen gönnte ich mir auch mal Turbo. Macht Spaß wie das Rad mit dem schweren Anhänger an den anderen Radlern, selbst mit EBike, vorbeizieht.

Der Anhänger war erst spät in der Nacht von Mittwoch, 4.5.16, auf Donnerstag fertig geworden. Deshalb konnte ich keine  Probefahrt absolvieren.  Jetzt fehlte noch ein Verschluß vorn für den Deckel. Dazu benötigte ich vier Bohrlöcher. Ich passierte in Heimstätten eine Werkstatt. Entschließe mich kurzfristig um Hilfe zu bitten. Der Chef B. M. war sehr hilfsbereit. Bohrte mit mir die Löcher, holte Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben. Alles gut fixiert. Er wollte kein Geld. Deshalb an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank!

Weiter ging es. Noch ohne Frühstück außer dem Kaffee bei Werner. Ich wollte dann die erste Pause machen, wenn beide Akkus je 2 von 5 Teilstrichen Akkuladung entleert waren. Bergauf, bergab. Ich verließ den Bodensee-Königssee-Radweg. Schöne kleine Sträßchen, aber sehr starke Steigungen. Ich wurde ungeduldig, weil ich nicht  richtig voran kam, auch die Ladung des 2. Akkus schnell verbraucht wurde. Weiter ging es auf der B 308. Super ausgebaute Bundesstraße, teils mit Radweg, teils ohne. Ein lange Gefällestrecke, perfekter Asphalt. Es läuft doch perfekt.

Plötzlich schlingert der Anhänger 3-4 x…. Und schon schmeißt mich der Anhänger um. Ich stürze in voller Fahrt nach vorne rechts auf den Straßenrand der an dieser Stelle mit groben Felssteinen gedeckt ist. Rad und Anhänger hinter mir.

Knickebein

 

Auf dem Foto ist deutlich das abgeknickte linke Rad zu erkennen.

 

Ich richte mich etwas auf, Blut tropft heftig  von  der Stirn. Kurz lege ich den Kopf wieder runter. Höre Autos, winke im Liegen. Sofort halten zwei Autos. Aus einem PKW laufen zwei junge Frauen zu mir, holen gleich einen Verbandskasten. Helfen mir auf, wollen den Notarzt rufen.

Nach einem ersten schnellen Check glaube ich, dass ich den Sturz trotz einiger offensichtlicher Verletzungen so überstanden habe, dass kein Notarzt kommen muss. Sie reinigen meine Schürfwunden, verbinden sie. Es sind zwei Altenpflegerinnen die das ruhig und gekonnt machen. Ein alter VW T3 mit zwei Booten auf dem Dach hielt auch sofort.  Ein Mann kommt zu mir. Er nimmt das sehr ramponiert aussehende Fahrrad. Als ich aufstehen will um ihm zu helfen knickt das rechte Bein nach hinten weg… Ich stütze mich am Boden ab. Wir trennen die Anhängerdeichsel von der Aufhängung an der Hinterachse. Er richtet den Lenker, die verbogenen Teile, das geknickte Schutzblech. Ich bekomme es eigentlich gar nicht mit, weil ich gleichzeitig verbunden werde. Er ist Fahrradmechaniker…Was für Zufälle.

Wir besprechen die Situation: die beiden Helferinnen bieten an, mich nach Lindenberg in das Krankenhaus  zu bringen. Zirka 15 km vom Unfallort. Sie würden sowieso hinfahren.

Was sollte ich mit dem nicht mehr fahrtüchtigen Rad und dem Anhänger mit all meinem Gepäck und der Videoausrüstung machen? Das linke Rad des Anhängers war abgeknickt. Vielleicht war das die Sturzursache:  starke Pendelbewegung, Abknicken des linken Anhängerrades, seitliche Rolle um 180 Grad und Abflug des Gespanns. Er lag auf dem Dach. Ich auf dem Bauch.

Ich  schloss das Rad ab. Lies es notgedrungen mit dem ramponierten Anhänger an der Straße stehen. Der Helfer fuhr mich zum nächsten Haus einige hundert Meter weiter. Leider habe ich weder die Personalien der beiden rettenden Altenpflegerinnen, noch die des VW-Bus-Fahrers.

Ganz herzlichen Dank für die tolle Betreuung. Wenn ihr das hier zufällig lest: bitte bei mir melden!

Im Garten arbeitete die Bäuerin, P. H.. Ihr Mann war mit Holzmachen beschäftigt. Sie kam sofort, trug die Fahrradpacktaschen, brachte Wasser und Arnica Globulie. Sie behandelt die Familie und Tiere homöopathisch. Petra bot mir an in einem Gästezimmer zu übernachten. Mir war aber klar, dass ich zuerst in ein Krankenhaus zur Versorgung der vielen Verletzungen mußte. Sie fuhr mich in das Krankenhaus Lindenberg. Es war mittlerweile 11.30h. Ihre Familie mußte meinetwegen auf das Mittagessen warten.

Ich war immer noch im Schock.  Wann ich genau Doris in Lahr zum 1. Mal informierte, weiß ich gar nicht mehr. Unser ältester Sohn  P. war zufällig nach seinem Nachtdienst bei uns. Sofort informierte er sich, wie man die Rückbank aus unserem  Campingbus ausbauen kann. Machte er mit Unterstützung von Doris fast allein. Die Bank wiegt über 100kg! Dann fuhr er los zu mir.

Die Behandlung des Chirurgen im Krankenhaus Lindenberg Dr. U. Sch. war sachlich und kompetent. Eine beruhigende Atmosphäre. Er untersuchte mich gründlich, nähte die Stirnplatzwunde.

nach der Versorgung im Krankenhaus Lindenberg

Der Pfleger versorgte meine Wunden:

Kopfplatzwunde, Schürfwunden rechte Stirn, Nase, Kinn, Ellbogen beidseits, Unterarm beidseits, Knie links, Unterschenkel beidseits, 2.-.5. Finger linke Hand, linker Großzeh;  massive Einblutung linkes Auge, Thoraxprellung links vorn, Nagelkranzfraktur 4.  Finger rechts, über handgroßes Haematom linker Oberschenkel. Distorsion linkes Schultergelenk und rechtes Knie.

Dementsprechend fühlte ich mich. Die Schmerzen kamen langsam. Das rechte Knie überstreckte instabil nach hinten weg.

Die meisten  Sorgen machte mir das linke Auge. In der Wartezeit auf das  Taxi, es war nun 12.30h, wollte ich endlich frühstücken. Kaufte eine Laugenstange mit Schinken. Schmeckte sehr gut. Beim 2. Bissen stoppte ich. Eigentlich war ich ja nüchtern. Wenn eine Augen-OP notwendig würde, dann wollte ich nüchtern bleiben. Also Laugenstange ab in die Tüte für später. Trotz großen Appetits. Per Taxi in die nächste Augenpraxis nach Wangen. Gute Ablenkung durch nettes Gespräch  mit der Taxifahrerin.  Sohn J. rief an. Er war fast an der Grenze bei Bregenz. Ja so was! 2 Söhne auf dem sofortigen Weg zu mir. Wahnsinn! (F.ist in Köln, G.in Wien) Bei seiner Ankunft in der Augenklinik in Wangen konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Mit so schneller Familienhilfe weit weg von Lahr hatte ich nicht gerechnet.

Schnelle, freundliche, gründliche Untersuchung durch den Augenarzt. Ich glaube es war Priv. Doz.Dr. med. J. G. Er gab Entwarnung. Lediglich massive Einblutung über der Sklera(Augenweiß), keine Hornhautverletzung, keine Verletzung des inneren Auges! Ich bin geneigt zu sagen“Gott sei Dank!“- Obwohl ich diesen Spruch , wenn schnell daher gesagt, für Blasphemie halte.

Dann mit J. zurück zur Unfallstelle. Ob alles noch da war oder ausgeplündert?  Die Spannung stieg. Dann die Erleichterung: Anhänger und Rad unberührt. J. schob beides zu einer besseren Parkmöglichkeit. Und schon kam P. Tolle Familienhilfe!  Der Anhänger war leer schnell in unserem VW-Bus verstaut, mit P.s Spanngurten perfekt gesichert. Das von uns vorher ausgeladene Gepäck verstaut. Fahrrad auf den Träger. Fertig. Fahrt zum Bauernhof von P. Packtaschen verstauen. Vielen Dank nochmals an Dich, P.!

Schon ging es zurück. Wir wollten noch zusammen was essen, aber das Navi führte uns weg von der Hauptstraße, J. fuhr weiter Richtung Bregenz. Danke J.! Er wollte schnell zu Frau und Kind in´s Montafon nach Innerberg zurück.

Ankunft in Lahr um 19.30h. P. wollte die ganze Strecke fahren, obwohl er nach dem anstrengenden Kliniknachtdienst nicht geschlafen hatte.

Große Erleichterung bei Doris, auch wenn der Schreck ob meines ramponierten Anblicks groß war.

Glück im Unglück gehabt. Es hätte viel schlimmer kommen können. Meine – erwachsenen –  Kinder sammelten Tipps zur Vorsorge: Anhänger mit ABS, eingebaute Tempobegrenzung, Einbau einer Verbindung Gehirn-Bremshand beim Fahrer.

Ich habe nur tolle Menschen erlebt. Von allen sofort selbstlose, selbstverständliche, kompetente Hilfe. Das macht aus dem Ganzen eine positive Erfahrung.

DANKE!

Heute , Mittwoch 11.5.16, in Lahr. Jetzt kann ich am PC zu Hause in den nächsten Tagen endlich den Blog nachtragen. Und viel mehr Fotos einstellen wenn die Kinder mir Pfingsten helfen.

 

Wenn Fehler im Text sind bitte entschuldigen. Ich sehe durch das tränende linke Auge schlecht.

Endlich unterwegs : Start 6.5.2016

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Schon muss ich zählen wie viel Tage ich unterwegs bin. Es ist viel passiert seit der Abfahrt am Freitag 6.5.2016 in Lahr. Zu meiner großen Freude waren einige liebe Menschen zur Verabschiedung zum Rathaus gekommen. Ich bedanke mich sehr bei allen.
Um 9 Uhr ging es los. Einen Spanngurt zum Fixieren des Deckels mußte unterwegs noch gekauft werden. die geplante Spanngummifixierung war nicht mehr fertig geworden. Der Anhänger war deutlich zu spüren, aber durch die Motorunterstützung nicht unangenehm. Seit Jahrzehnten bin ich gewohnt Fahrrad mit Anhänger zu fahren: mal mit Kind, dann mit Campinggepäck für die ganze Familie. Und unsere Hunde waren auch immer mal auf längeren Touren im Anhänger.

Dann kam der lange erwartete Moment auf der Waage.
160,00kg
Das war meine Wunschgewicht. Aber einschließlich meines Gewichts!
Also 70kg Übergewicht. Ein echter Schock.
Später am Rhein bei Ottenheim fing ich an Gepäck auszumustern und den Mitreisenden zurück nach Lahr mitzugeben. Klapptisch, Stuhl,  alles zum Kochen (Geschirr, Kocher, Lebensmittel ) , die Kühlbox mit Ladegerät und dem Feierabendbier; alles  mußte daran glauben. Als Letztes nahm Doris bei gemeinsamen Besuch unsere Freunde in  Radolfzell die elektrische Zahnbürste mit Ladegerät mit. Das geht auch mal vorrübergehend mechanisch…
Bestimmt 30kg sind jetzt weniger. Das Fahrrad mit 2 Ortliebpacktaschen transportiert viel Getränkevorrat, Ersatzakku, Ladegeräte, Fotoausrüstung und wiegt zirka 40kg, bleiben für den Anhänger zirka 90kg. So geht es.