Ich bin wieder in Lahr!

Was bisher geschah:

Dienstag 10.5.2016: Die 3. Nacht im Anhänger. Im Garten von L. und W. F., Opfenbach. Morgens tropft das Kondenswasser von Mittelstreben unter dem Deckel

auf mein Bett.  Draußen ganz leichter Regen, ein blutroter Sonnenaufgang

Blick nach Süden zum Säntis    IMG_20160509_180424

Wenn es jetzt  stark regnete  würde beim Öffnen des Eingangs  die Matratze nass werden. Der Deckel macht beim Öffnen  am Fußteil – das ist vorn im Anhänger – eine Bewegung von zirka 25 cm nach oben und 15 cm nach vorn. Hinten öffnet sich der Deckel um 90 cm wegen der notwendigen Sitzhöhe zum Umkleiden. Es wäre besser gewesen,  diese Öffnungsbewegung so nach hinten zu machen, dass die Oberkante des Deckels über die Matratze ragt. Das Fußende wäre durch Zeltstoff geschützt.

Es werden sich sicherlich noch einige Punkte herausstellen die verbessert werden könnten.

Alles wieder abbauen und zusammenpacken dauert zirka 30 Minuten. Mein freundlicher Gastgeber Werner lud zum Kaffee ein. Wir sprachen über seine Erfahrungen als Fußballschiedsrichter. Lisa und Werner: ganz herzlichen Dank für die spontane Bereitschaft den am Garten vorbei radelnden Fremden gastfreundlich aufzunehmen!

Es geht los auf dem Bodensee-Königssee-Radweg. Schon nach kurzer Strecke verfahre ich mich. Kämpfe mich mit dem schweren  Anhänger eine lange Steigung hinauf. Oben wird klar, da geht es nicht weiter. Also zurück in den nächsten Ort. Jetzt sehe ich ein Radweg-Schild. Weiter. Tagesziel Oberstdorf. Dort will ich den Anhänger stehen lassen, einen Feldweg zum Schrofen-Pass so weit radeln wie es ohne Probleme geht. In Google Earth sieht es gut machbar aus. Das soll die südlichste Stelle meiner Deutschlandumrundung werden. Mein 1. Zipfelort – so nennen sich die 4 äußersten Orte im Süden-Osten-Norden-Westen Deutschlands.

Weiter Hügel auf und ab. Fixierter Blick auf die Akkureichweite. Der super starke Boschmotor mit 75 NM und 250 Watt Maximalleistung hat 4 Unterstüzungsgrade, Eco-Tour-Sport-Turbo. Tour reicht in der Ebene.

Von Lahr bis Lindau kam ich immer besser ins Rollen. Der Fahrtschnitt stieg von zuerst 16 km/h auf zuletzt 19  km/h für die gesamte Strecke. Reisetempo 25km/h im 11.Gang – von 14 des Rohloffnarbengetriebes-  mit Tour oder Sport-Unterstützung. Bei starken Steigungen gönnte ich mir auch mal Turbo. Macht Spaß wie das Rad mit dem schweren Anhänger an den anderen Radlern, selbst mit EBike, vorbeizieht.

Der Anhänger war erst spät in der Nacht von Mittwoch, 4.5.16, auf Donnerstag fertig geworden. Deshalb konnte ich keine  Probefahrt absolvieren.  Jetzt fehlte noch ein Verschluß vorn für den Deckel. Dazu benötigte ich vier Bohrlöcher. Ich passierte in Heimstätten eine Werkstatt. Entschließe mich kurzfristig um Hilfe zu bitten. Der Chef B. M. war sehr hilfsbereit. Bohrte mit mir die Löcher, holte Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben. Alles gut fixiert. Er wollte kein Geld. Deshalb an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank!

Weiter ging es. Noch ohne Frühstück außer dem Kaffee bei Werner. Ich wollte dann die erste Pause machen, wenn beide Akkus je 2 von 5 Teilstrichen Akkuladung entleert waren. Bergauf, bergab. Ich verließ den Bodensee-Königssee-Radweg. Schöne kleine Sträßchen, aber sehr starke Steigungen. Ich wurde ungeduldig, weil ich nicht  richtig voran kam, auch die Ladung des 2. Akkus schnell verbraucht wurde. Weiter ging es auf der B 308. Super ausgebaute Bundesstraße, teils mit Radweg, teils ohne. Ein lange Gefällestrecke, perfekter Asphalt. Es läuft doch perfekt.

Plötzlich schlingert der Anhänger 3-4 x…. Und schon schmeißt mich der Anhänger um. Ich stürze in voller Fahrt nach vorne rechts auf den Straßenrand der an dieser Stelle mit groben Felssteinen gedeckt ist. Rad und Anhänger hinter mir.

Knickebein

 

Auf dem Foto ist deutlich das abgeknickte linke Rad zu erkennen.

 

Ich richte mich etwas auf, Blut tropft heftig  von  der Stirn. Kurz lege ich den Kopf wieder runter. Höre Autos, winke im Liegen. Sofort halten zwei Autos. Aus einem PKW laufen zwei junge Frauen zu mir, holen gleich einen Verbandskasten. Helfen mir auf, wollen den Notarzt rufen.

Nach einem ersten schnellen Check glaube ich, dass ich den Sturz trotz einiger offensichtlicher Verletzungen so überstanden habe, dass kein Notarzt kommen muss. Sie reinigen meine Schürfwunden, verbinden sie. Es sind zwei Altenpflegerinnen die das ruhig und gekonnt machen. Ein alter VW T3 mit zwei Booten auf dem Dach hielt auch sofort.  Ein Mann kommt zu mir. Er nimmt das sehr ramponiert aussehende Fahrrad. Als ich aufstehen will um ihm zu helfen knickt das rechte Bein nach hinten weg… Ich stütze mich am Boden ab. Wir trennen die Anhängerdeichsel von der Aufhängung an der Hinterachse. Er richtet den Lenker, die verbogenen Teile, das geknickte Schutzblech. Ich bekomme es eigentlich gar nicht mit, weil ich gleichzeitig verbunden werde. Er ist Fahrradmechaniker…Was für Zufälle.

Wir besprechen die Situation: die beiden Helferinnen bieten an, mich nach Lindenberg in das Krankenhaus  zu bringen. Zirka 15 km vom Unfallort. Sie würden sowieso hinfahren.

Was sollte ich mit dem nicht mehr fahrtüchtigen Rad und dem Anhänger mit all meinem Gepäck und der Videoausrüstung machen? Das linke Rad des Anhängers war abgeknickt. Vielleicht war das die Sturzursache:  starke Pendelbewegung, Abknicken des linken Anhängerrades, seitliche Rolle um 180 Grad und Abflug des Gespanns. Er lag auf dem Dach. Ich auf dem Bauch.

Ich  schloss das Rad ab. Lies es notgedrungen mit dem ramponierten Anhänger an der Straße stehen. Der Helfer fuhr mich zum nächsten Haus einige hundert Meter weiter. Leider habe ich weder die Personalien der beiden rettenden Altenpflegerinnen, noch die des VW-Bus-Fahrers.

Ganz herzlichen Dank für die tolle Betreuung. Wenn ihr das hier zufällig lest: bitte bei mir melden!

Im Garten arbeitete die Bäuerin, P. H.. Ihr Mann war mit Holzmachen beschäftigt. Sie kam sofort, trug die Fahrradpacktaschen, brachte Wasser und Arnica Globulie. Sie behandelt die Familie und Tiere homöopathisch. Petra bot mir an in einem Gästezimmer zu übernachten. Mir war aber klar, dass ich zuerst in ein Krankenhaus zur Versorgung der vielen Verletzungen mußte. Sie fuhr mich in das Krankenhaus Lindenberg. Es war mittlerweile 11.30h. Ihre Familie mußte meinetwegen auf das Mittagessen warten.

Ich war immer noch im Schock.  Wann ich genau Doris in Lahr zum 1. Mal informierte, weiß ich gar nicht mehr. Unser ältester Sohn  P. war zufällig nach seinem Nachtdienst bei uns. Sofort informierte er sich, wie man die Rückbank aus unserem  Campingbus ausbauen kann. Machte er mit Unterstützung von Doris fast allein. Die Bank wiegt über 100kg! Dann fuhr er los zu mir.

Die Behandlung des Chirurgen im Krankenhaus Lindenberg Dr. U. Sch. war sachlich und kompetent. Eine beruhigende Atmosphäre. Er untersuchte mich gründlich, nähte die Stirnplatzwunde.

nach der Versorgung im Krankenhaus Lindenberg

Der Pfleger versorgte meine Wunden:

Kopfplatzwunde, Schürfwunden rechte Stirn, Nase, Kinn, Ellbogen beidseits, Unterarm beidseits, Knie links, Unterschenkel beidseits, 2.-.5. Finger linke Hand, linker Großzeh;  massive Einblutung linkes Auge, Thoraxprellung links vorn, Nagelkranzfraktur 4.  Finger rechts, über handgroßes Haematom linker Oberschenkel. Distorsion linkes Schultergelenk und rechtes Knie.

Dementsprechend fühlte ich mich. Die Schmerzen kamen langsam. Das rechte Knie überstreckte instabil nach hinten weg.

Die meisten  Sorgen machte mir das linke Auge. In der Wartezeit auf das  Taxi, es war nun 12.30h, wollte ich endlich frühstücken. Kaufte eine Laugenstange mit Schinken. Schmeckte sehr gut. Beim 2. Bissen stoppte ich. Eigentlich war ich ja nüchtern. Wenn eine Augen-OP notwendig würde, dann wollte ich nüchtern bleiben. Also Laugenstange ab in die Tüte für später. Trotz großen Appetits. Per Taxi in die nächste Augenpraxis nach Wangen. Gute Ablenkung durch nettes Gespräch  mit der Taxifahrerin.  Sohn J. rief an. Er war fast an der Grenze bei Bregenz. Ja so was! 2 Söhne auf dem sofortigen Weg zu mir. Wahnsinn! (F.ist in Köln, G.in Wien) Bei seiner Ankunft in der Augenklinik in Wangen konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Mit so schneller Familienhilfe weit weg von Lahr hatte ich nicht gerechnet.

Schnelle, freundliche, gründliche Untersuchung durch den Augenarzt. Ich glaube es war Priv. Doz.Dr. med. J. G. Er gab Entwarnung. Lediglich massive Einblutung über der Sklera(Augenweiß), keine Hornhautverletzung, keine Verletzung des inneren Auges! Ich bin geneigt zu sagen“Gott sei Dank!“- Obwohl ich diesen Spruch , wenn schnell daher gesagt, für Blasphemie halte.

Dann mit J. zurück zur Unfallstelle. Ob alles noch da war oder ausgeplündert?  Die Spannung stieg. Dann die Erleichterung: Anhänger und Rad unberührt. J. schob beides zu einer besseren Parkmöglichkeit. Und schon kam P. Tolle Familienhilfe!  Der Anhänger war leer schnell in unserem VW-Bus verstaut, mit P.s Spanngurten perfekt gesichert. Das von uns vorher ausgeladene Gepäck verstaut. Fahrrad auf den Träger. Fertig. Fahrt zum Bauernhof von P. Packtaschen verstauen. Vielen Dank nochmals an Dich, P.!

Schon ging es zurück. Wir wollten noch zusammen was essen, aber das Navi führte uns weg von der Hauptstraße, J. fuhr weiter Richtung Bregenz. Danke J.! Er wollte schnell zu Frau und Kind in´s Montafon nach Innerberg zurück.

Ankunft in Lahr um 19.30h. P. wollte die ganze Strecke fahren, obwohl er nach dem anstrengenden Kliniknachtdienst nicht geschlafen hatte.

Große Erleichterung bei Doris, auch wenn der Schreck ob meines ramponierten Anblicks groß war.

Glück im Unglück gehabt. Es hätte viel schlimmer kommen können. Meine – erwachsenen –  Kinder sammelten Tipps zur Vorsorge: Anhänger mit ABS, eingebaute Tempobegrenzung, Einbau einer Verbindung Gehirn-Bremshand beim Fahrer.

Ich habe nur tolle Menschen erlebt. Von allen sofort selbstlose, selbstverständliche, kompetente Hilfe. Das macht aus dem Ganzen eine positive Erfahrung.

DANKE!

Heute , Mittwoch 11.5.16, in Lahr. Jetzt kann ich am PC zu Hause in den nächsten Tagen endlich den Blog nachtragen. Und viel mehr Fotos einstellen wenn die Kinder mir Pfingsten helfen.

 

Wenn Fehler im Text sind bitte entschuldigen. Ich sehe durch das tränende linke Auge schlecht.