Ich beginne nochmals der Reihe nach mit der Fahrtbeschreibung

  1. Reisetag   Freitag 6.5.2016:

9 Uhr Abfahrt am Lahrer Rathaus mit lieben Begleitern. Sogar die kleinen Enkeltöchter waren mit Schwiegertochter Birgit  auf dem Weg zur Kita auf ihrem Laufrad und kleinem Fahrrad gekommen. Herr Kramberg von der Badischen  Zeitung machte Bilder für eine großen Artikel am Samstag im Lokalteil der BZ. Vielen Dank !

Fahrrad mit Anhänger; viel zu schwer!

Auf der Waage Schock über das extreme Gewicht. Erste Pause am vorerst westlichsten Punkt: Rheinufer bei Ottenheim. Drüben auf dem anderen Ufer des Altrheins liegt eines unserer Stammlokale: Niemandsland oder Au Bord du Rhin. Besonders viel besucht in der momentanen Spargelzeit.

Der schwere Anhänger ist wegen des starken Boschmotores im Ebike keine Belastung. Aber die ganze Fuhre neigt zum Schwingen und Pendeln. Später merke ich, daß es  viel stabiler wird, wenn ich die Luftfederung am Fahrrad mit dem Hebel am linken Lenkerende auf hart stelle. So fahre ich dann die weitere Tour. Ich hatte gehofft, den ganzen April  Zeit für Test- und Einstellfahrten zu haben. Durch die Fertigstellung in der letzten Nacht ist es die erste Ausfahrt überhaupt.

Die schöne Tour führt auf dem Rheindamm entlang. Rechts der Altrhein , später der schiffbar ausgebaute Verlauf, links die Rheinauen. Sie sind teils ursprünglich, teils künstlich angelegt. Berühmt für die vielen seltenen Vögel. Mir fallen einige schwarze Kormorane auf. Das Wetter ist perfekt: Sonne, kaum Wind, nicht zu heiß.

 

Abschied von Alice, Fritz und Doris . Sie nehmen den ersten ausgemusterten  Ballast mit: einen Campingstuhl, einen faltbaren Tisch, eine 6l-Kühlbox, gedacht für Frühstücksmilch, Joghurt und das kühle Hefeweizen am Abend. Muß raus. Da gibt es kein Zaudern.

Weiter mit Werner durch die Auwälder bis Rheinhausen. Er fährt zurück.

Es hat mich sehr gefreut, dass Ihr mitgefahren seid! Vielen Dank!

In Rheinhausen, nach 43km, passiere ich die Metzgerei Kaiser. Neue Energie durch sehr guten Fleischkäse, Kartoffelsalat und Cola (trinke ich sonst nie). Unbemerkt vergesse ich einen kleinen GPS-Sensor meiner Polaruhr. Herr Kaiser kontaktiert mich später über diese Website. Ich werde den Sensor bald holen.  Danke!

Weiter nach Breisach, 73km.  Pause bei einem tollen Eisbecher. Akkus werden geladen. Es wird spät. Rolle jetzt immer zügiger und geübter durch die Auwälder. Ich wollte auf Bauernhöfen übernachten. Es gibt keine im Wald. Wie schon beschrieben  finde ich einen Gasthof mit Reisemobilparkplatz in Müllheim.

Fahrstrecke Lahr –  Müllheim 111 km am 1. Tag. Schnitt 17,9 km/h.

Ende 1.Tag

Nach dem guten und reichlichen Abendessen wird es spannend: die erste Nacht im Anhänger. Aus den Eckrohren senke ich die Aufsteller ab. Der Anhänger steht stabil, gerade, die Räder sind entlastet. Deckel aufstellen, fixieren. Das Bett erwartet mich. Strom für die Akkus anschließen. Zähne putzen, mehr Körperpflege geht nicht  auf diesem Parkplatz. Um ins Bett zu kommen muß ich etwas hoch klettern. Dort wurde eine  Querstrebe nachträglich eingebaut zur Stabilierung und als Widerlager der Türflügel.

Die Grundidee für den Anhänger war : ich möchte wegen seit 50 Jahren immer wieder mich quälenden Rückenschmerzen  in einem bequemen Bett schlafen. Deshalb wurde der Anhänger so groß. Viele Falt- und Klappvarianten hatte ich durchdacht und verworfen.  Das Bett ist fast zu weich. Lattenrost, darauf Schaumstoffmatratze, kein Schlafsack, der wäre mir zu eng.

Bettmaße: 180cm x 72cm. Breite ist gut, Länge knapp , bin 169cm groß. Später lege ich mich diagonal. Bringt mehr Fußraum. Der Schlaf ist unruhig. Ich wache ständig auf. Obwohl es draußen ruhig ist. Alles noch ungewohnt.

2. Reisetag  Samstag 7.5.2016

Zusammenpacken dauert 30 Minuten.

Dann rolle ich Richtung Basel. Die erste Bergetappe: die Schliengener Steigung. Der Boschmotor zieht uns mit meiner tatkäftigen Tretunterstützung den langen Berg rauf. In Weil passiere ich die vitra Fabrik und die berühmten Häuser. Ab Basel geht es wieder am Rhein entlang. Lange Kaffee-Akkulade-Pause in Grenzach-Wyhlen. Weiter. Essen gibt es nach 14 Uhr in Bad Säckingen nicht mehr. Nur Getränke und Akkus erneut laden. Ich entleere jeden Akku nur teilweise, damit dann beide gleichzeitig mit den 2 Ladegeräten aufgeladen werden. Weiterfahrt auf der Schweizer Rheinseite bis Kaiserstuhl. Es rollt sehr gut. Ich suche nach einer Anschrift in Hohentengen. Dort wollte ich auf dem Bauerhof eines früheren Patienten übernachten. Handy klappt nicht. Immer Schweizer Netz. Immer automatische Stimme. Das Navi kennt die Anschrift nicht, auch Passanten nicht. Die Akkus sind fast leer. Finde ich einen Schlafplatz? Alice ruft an. Sie hatte in den Nachrichten von einem schrecklichen Unfall in Bad Säckingen gehört, bei dem ein Radfahrer getötet wurde. Sie ist erleichtert, mit mir sprechen zu können. Es ist schon nach 19 Uhr.  Ich spreche mit Doris und kann auch ihre Sorge schnell beenden. Telefon geht wohl gerade nur an dieser einen Stelle auf einer kleinen Anhöhe. Die Telefonnummer des Patienten ist falsch. Der quirlige Chef des Landgasthofs Ratsstube zeigt mir den Weg zum Campingplatz.

Übernachtung Hochtengen

Runter an den Rhein. Sehr idyllisch: extra Wiese mit lauter Radlern und Paddlern mit ihren Leichtgewichtzelten. Ich mit dem fetten Anhänger. Zu Fuß wieder den Berg rauf. Auf der Terasse der Ratstube Filet-Pommes-Salat-Bier. Super. Langes und intensive Gespräch mit 3 Tischnachbarn über Leben-Tod-Nahtoderfahrungen-Meditation-Weißheiten etc. Solche völlig unerwartete, ganz schnell sehr persönliche Gespräche sind die Höhepunkte einer solchen Reise.

Nachts merke ich, so spät sollte ich nicht  viel essen. Aber der große Hunger…

Tagesstrecke fahrtechnisch optimal: gute Radwege, relativ wenig Steigungen, Strecke Müllheim – Hohentengen 121km, Durchschnitt steigt auf 18,6km/h.

Ende 2.Tag