Archive: Mai 2018

24.05.2018 Dresden – Lindau – Innerberg

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Vor 7 Uhr verlasse ich das Hotel in Dresden. Bin in wenigen Minuten am Hauptbahnhof. Kaufe  etwas zum Frühstück und  Reiseproviant. Im Zeitschriftenladen kaufe ich den Spiegel und ein Buch.  Was soll ich nehmen? Finde nichts, was ich kenne. Kaufe Simon Beckett: Der Hof. Von ihm hatte ich schon spannende Bücher gelesen. Es stellt sich als tolles Buch heraus.  Hilft mir sehr gut die Reisezeit abzukürzen. Das Buch ist extrem spannend. Und das ist für diesen Reisetag auch sehr nötig.

Denn als ich rechtzeitig zum Bahnsteig komme steht der Zug zwar bereit, aber alle Türen sind geschlossen. Eine Person sitzt auf dem Bahnsteig. Eine Bahnmitarbeiterin. Sie erklärt mir, dass der Zug wegen des Bombenalarms in Dresden ausfällt. So ein Mist!  Sie schlägt mir einen Ersatzverkehr mit zwei Busse und zwei Zügen vor. Es könnte aber schwierig sein mit meinem Fahrrad.  Sehr ermutigend…. Aber was soll ich machen. Der geplante Reiseablauf sah vor: der erste Zug von Dresden nach  Hof, umsteigen nach München, dort in den Zug mit Reservierung anch Lindau.

Wie soll das alles heute noch klappen? Wann werde ich ankommen?

Schnell raus aus dem Bahnhof. Der vorgeschlagene Bus Nr. 66 fährt gerade los. Also auf den nächsten 15 Minuten warten. Muss ich was zahlen? Komme ich mit dem bepackten Fahrrad rein? Es kommt ein langer Gelenkbus. Rolle sofort nach hinten zum Fahrradplatz. Ich schiebe das Rad problemlos über den tiefen Einstieg auf den leeren Stellplatz. Ich gehe davon aus, dass mein Bahnticket für den Ersatzverkehr gelten muss. Frage nicht mehr nach. Im Stadtverkehr muss ich mein Rad im Bus sehr festhalten. Der Fahrer bremst und beschleunigt abrupt. Die Fahrt geht bis zum Linienendpunkt. Warten auf den nächsten Bus. Wieder genau das Gleiche. Der Fahrer fährt noch wilder. Es ist anstrengend das Rad zu halten. Ich bin froh den Bahnhof zu erreichen. Vertraue der Schwarmintelligenz der Mitreisenden auf dem Weg zum Bahnsteig. Es gibt sogar einen für das Fahrrad passenden Bahnsteigaufzug zum Gleis. Wieder die Unsicherheit wegen der Fahrradmitnahme. Auch diesmal kein Problem. Genau so beim Umsteigen in den nächsten Zug.

In Hof bin ich so rechtzeitig, dass ich meinen geplanten Zug nach München rechtzeitig erreiche. Das hatte ich nicht erwartet. Vorher muss ich den Bahnsteig wechseln. Der Fahrstuhl ist zu kurz. Als die Tür schließt bremse ich schnell das Hinterrad, zieh das Vorderrad hoch. Jetzt steht das Fahrrad fast senkrecht im Fahrstuhl. Und eine Frau mit Reisekoffer passt sogar auch noch hinein bevor die Türe schließt. Ich enspanne im Zug. Jetzt kann ich in Ruhe lesen, essen. Schwierig wird nur noch das Besteigen des schweizer Zugs in München. Die Tür zum reservierten Waggon ist defekt, nicht zu öffnen. Ich gehe zum nächsten Waggon. Die Tür öffnet. Sie ist  schmaler ist als mein Lenker. Und es sind zwei hohe Stufen hinauf.  Und innen muß ich das Vorderrad hoch oben in einen Haken hängen. Das kostet einige Kraft. Aber ich habe doch noch genug Kraft für solche Aktionen.

Den Tag über hatte ich die Familie über die verschwiedenen Phasen unterrichtet. D. will ich in Lindau für die gemeinsame Weiterfahrt in´s Montafon treffen. Sie steckt mit dem Auto in einem Stau. Es geht und geht nicht weiter. Ich lese im Zug, dass es in Lindau einen Nahverkehrszug nach Bludenz gibt der wenige Minuten nach meiner geplanten Ankunft abfahren soll.

Er steht gleich auf dem Bahnsteig gegenüber. Ich kaufe in aller Eile eine Fahrkarte im Bahnhofsinneren. Schnell wieder raus auf den Bahnsteig zum abfahrtbereiten Zug. Hinnein. Geschafft! Ich hoffe, das es für heute mein letztes Umsteigen ist.

Gegen 20.30h komme ich in Bludenz an. 2 Busse, 5 Züge, 12 1/2 Stunden Reisedauer. Doch noch eine Spur Abenteuer zum Schluss. Ich entscheide mich am Bludenzer Bahnhof nicht auf D. zu warten sondern auf den Berg zu radeln. Dann erreiche ich die Oberland-Imbissstube, an der wir immer vorbeifahren. Nach diesem Tag habe Lust auf Currywurst-Pommes-Salat und  Bier. Alles schmeckt bestens. Während ich esse ruft D. an. Als ob sie es geahnt hätte, obwohl wir es nicht abgesprochen hatten, hält sie schräg gegenüber der Imbissbude. Und gönnt sich auch noch ein Abendessen nach ihrer staugeplagten Autofahrt von Lahr nach Bludenz in über 5 Stunden.

Es wird dunkel und fängt zu allem Überfluss heftig an zu regnen. Zuletzt brauche ich also doch noch die Regenkleidung. Die Akkus hatte ich in der letzten Nacht nicht mehr geladen. Ich dachte nicht, dass ich noch mit dem Rad fahren würde. Wegen der starken Steigung hoch nach Bartholomäberg mit 600 Höhenmeter nutze ich gerade soviel  Motorunterstützung, dass es mit der Restladung der Akkus reicht. Es klappt.

Resümee: Deutschland ist ein perfektes Radreiseland. Radwege sind nahezu überall. Die Landschaft, Orte, das Meer beeindrucken mich ständig. Ich bin bemüht alles zu beobachten. Ich will unterwegs kein Radio hören oder Ähnliches. Ich schaue, rieche, höre. Wie sagte ein Lehrer unserer Kinder: “ Landschaft schlürfen“. Das Bild gefällt mir gut.

Im August geht es wieder ab Zittau weiter. Durch das Erzgebirge, den bayrischen Wald, nach Passau die Salzach hoch. Bis zum Königssee als süd-ostlichstem Ort in Deutschland.  Danach durch das Alpenvorland. Genaugenommen ist meine Deutschlandumrundung mit dem Fahrrad an meiner Unfallstelle vom Mai 2016 beendet. Aber ich werde dann doch wohl noch bis Lahr mit dem Fahrrad fahren. Ob das in einer Etappe zu schaffen ist wird sich zeigen.

Gesamtstrecke dieses Reiseabschnitts ab Rostock       828 km

Gesamtfahrzeit                                                                   41:25 h

Durchschnittsgeschwindigkeit                                        19,95 km/h

23.05.2018 Bad Muskau bis Zittau

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Bad Muskau ist berühmt durch den Fürst Bückler Park. Im Anschluss an eine für ihn sehr beeindruckende Englandreise begann Fürst Bückler 1815 damit einen Park nach englischem Vorbild zu erstellen. In den folgenden Jahrzehnten investierte er sein ganzes Vermögen in den Park und die Schlösser. Heute beeindrucken die großen alten Singulärbäume, aber natürlich auch die gesamte Parkgestaltung sehr. Ich fahre fotographierend  durch die deutsche und die polnische Parkseite. Sehr schön, dass alles in den letzten Jahren restauriert und erhalten wurde. Einschließlich einer Schmalspureisenbahn.

Die Neiße wird immer schmaler am ihrem Oberlauf. Auf deutscher Seite steht im Kilometerabstand ein 2 Meter hoher  Pfahl in schwarz-rot-gold. Gegenüber entsprechend ein Pfahl in rot-weiss. Auf der Kulturinsel Einsiedel gibt es einen kleinen Freizeitpark. Nicht zu vergleichen mit dem Europapark. Hier ist alles aus Holz. Kreativ, bund und schief. Lustig anzusehen.

Görlitz ist eine Stadt mit 4000 anerkannten Denkmälern! Während ich in der Altstadt frische Erdbeeren, Eis und Schlagsahne genieße und sicherheitshalber die Fahrradakkus lade kommt eine Stadtführung nach der anderen vorbei. Ein Führer erklärt laut, eigentlich müsste er zu jedem Haus etwas erzählen. Alle haben ihre Geschichte. Die Stadt wurde zuletzt von einem Großbrand 1525 zerstört. Dann im Renaissance-Baustil neu aufgebaut. Heute könnte man tagelang die Stadt besichtigen. Ich radle langsamdurch die Altstadt.

Und weiter geht es im Schlussspurt an der immer schmaler werdenden Neiße entlang. Polen auf am rechten Flußufer ist nur 20 Meter entfernt. Kurz schmunzel ich über den Gedanken wie selbstverständlich die Vögel über die Grenze hin- und herfliegen.

Zittau ist der Endpunkt dieser Etappe der Deutschland-Umrundung. Ich fahre gleich zum Bahnhof um zu erfahren, ob und wann ich mit dem Zug nach Dresden fahren kann. Schon in wenigen Minuten geht ein Zug! Super! Dann werde ich Zittau im August ansehen als Startpunkt der nächsten – letzten? – Etappe.

Im Zug nach Dresden atme ich auf. Kein Unfall, keine Panne, alles hat sehr gut geklappt. Tolle Landschaften. Wir haben immer ein gutes Nachtquartier gefunden. Nur Sonnenschein. Nicht einmal die Regenkleidung gebraucht.

Ankunft Dresden-Hauptbahnhof nach der Zugfahrt von 1:50h. Ich möchte in der Bahnhofsnähe übernachten um gleich morgen Früh mit dem Zug nach Lindau zu fahren. Das 1. Hotel ist besetzt. Der Zimmerpreis im 2. Hotel sehr hoch. Ich zögere, ob ich weiter suche. Ich bin müde und hungrig. Was soll´s. Ich buche die „Suite“.

Schließe das Rad in der Tiefgarage in einem separaten Radkeller sicher ein. Das war mir bei dem kostbaren Rad immer sehr wichtig. In der „Suite“  in der 9. Etage  blicke ich durch die verglaste Front über die Einkaufstraße tief unter mir hinüber auf die Türme der Altstadt. Sehr schön!

Ich mache mich auf zum Altstadtbummel.Es sind einige Jahre seit meinem letzten Dresdenbesuch vergangen. Erst komme ich nicht durch Straßensperren hindurch. Es wird gerade eine Firmenlauf mit Tausende von Menschen gestartet. Bekomme beim gemeinsamen Count-down-Zählen in Erinnerung an viele solche Startsituationen Lust mitzujoggen. Aber nicht wirklich. Zu müde, zu matte Beine, schmerzendes Knie. Lieber erst mal was essen. Und zum Nachtisch in einem Cafe nahe der  Frauenkirche ein sehr stimmungsvoller Abschluss. Eine Frau und ein Mann, Opernsänger, singen Opern-Arien und Musikelstücke. Ich bleibe am Brunnen sitzen und genieße den Gesang in einer immer größer werdenden Zuhörerschaft. Es wird dunkel. Die Sänger sind nur noch als Konturen zu sehen. Die Stimmen füllen den weiten Platz.

Ein sehr stimmungsvolles, schönes Ende dieser Etappe meiner Deutschlandumrundung mit dem Fahrrad.

Ab in´s Hotelbett.

Fahrstrecke 115km

Fahrzeit:       5:28h

22.05.2018 Frankfurt/Oder bis Bad Muskau

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Abschied von G.. Sie fährt mit dem Zug heim. Ich radle weiter. Es ist wie gestern. Auf oder neben dem Oderdeich. Es rollt gut. Herrliche Natur. Wie gestern begeistern mich die vielen Grossvögel. Schon wieder Seeadler. Toll. Schwarze Kormorane, Fischreiher, viele Störche. Hinter Eisenhüttenstadt mündet die Lausitzer Neiße in die von Osten kommende Oder. Von hier an folge ich dem Radweg der Lausitzer Neiße bis Zittau.

Lange Zeit gibt es keine Möglichkeit zu trinken oder zu essen. Ich passiere fast keine Ortschaft. Und dann ist alles wie ausgestorben. Keine Gastronomie, kein Geschäft, kein Brunnen. Erst um 14 Uhr finde ich eine Tankstelle. Bockwurst, Apfelschorle, Quarkbällchen. Und 2 Riegel KitKat. Dabei erinnere ich  mich an meine Englandbesuche in den frühen 60iger Jahren. Damals aß ich jeden Tag KitKat.

Heute nutze ich viel die stärkere Unterstützung des Boschmotors um das doch heftig schmerzende linke Knie zu entlasten. Deshalb wechsle ich nach 80km den Akku. Oh Schreck: der Ersatzakku ist nur 2 von 5 Strichen geladen. Ich überlege  wann und wo ich die Akkus aufladen kann. meist klappt es bei einem Gastronomiebetrieb. Aber wer weiss, wann überhaupt wieder mal einer kommt in dieser verlassenen Flusslandschaft. Auf einmal ist der Radweg gesperrt. Für Kilometer hopple ich über schwere Eisenplatten. Die einfachste Wegelösung über den Ackerboden für schwere Lastwagen. Es ist sehr staubig. Irgendwann ist die Baustelle für den neuen Damm zu Ende. Und die Natur der Uferlandschaft beeindrucken mich gleich wieder sehr. Doch die Akkuladung schwindet. Dies ist eine der typischen Stresssituationen durch E-Bikes. Die ständige Frage ob die Akkuleistung reicht. Seit dem ich die Eifel verlassen habe war dies kein Thema mehr. Oft reichte 1 Akku für die ganze Tagesetappe im Flachland bei geringster Motorunterstüzung.

An einer 90Grad Biegung sehe ich direkt vor mir ein Schild: kostenlose Akkuladung für E-Bikes an dem Wasserkraftwerk. Es ist ein altes Gebäude. Ich finde keinen Stecker. Ein Mann fährt auf einem Rasenmäher. Er zeigt mir eine Doppelsteckdose am Zaun. Meine Rettung. Das Wasserwerk wurde von einem Fan alter Technik wieder in Kraft gesetzt. Er sammelt auch alte Fahrzeuge. Ich fotographiere einen alten VW Käfer, einen alten Düsenjäger in dem parkartigen Garten. Ruhe auf einer Bank aus. Esse den Rest von der Tankstelle . Nach 1 Stunde sind beide Akkus ausreichend geladen. Glück gehabt. An der Lausitzer Neiße geht es weiter. Später erneute Pause auf einer Bank am Neißeufer unter einer Eiche. Ich übernachte in Bad Muskau in einem schönen Hotel.

Tagesstrecke 130km

Fahrzeit 6.02h

21.05.2018 Oderbruch bis Frankfurt/Oder

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Heute radeln wir den ganzen Tag entlang der Oder. Natur pur. 40 km kein Haus. Bestens geteerter Radweg auf dem Deich. Leider oft Gegen- und Seitenwind. Die Knie schmerzen noch von der Anstrengung gestern. Manchmal tauschen wir die Räder zur Reiseerleichterung. Der Oderbruch gefällt uns sehr. Wie gestern die breite Ebene mit Wiesen, Wälder und wenigen Feldern. Hinter der Oder ist Polen. Überall kleine Seen der alten Flußläufe.

Die vielen Großvögel begeistern mich. Vor allem mehrere Adler. Viele andere Raubvögel. Störche, Fischreiher. Bei den Gänsen und Enten vor allem der Formationsflug in Keilform.

An manchen Stellen haben kreative Unternehmer die ersten Gastro-Betriebe gegründet. Z.B. wurde ein alter Getreidespeicher zum Cafe und Ferienwohnung. In alten Güterwagen kann man heute für 50€ Übernachten. Und hier an der Oder gibt es Tannenzäpfchen. Unser Kult-Bier aus dem Südschwarzwald. „Das bringt unser Chef immer aus Berlin mit“ klärt mich die Dame hinter der Kuchentheke auf. Es ist zu früh für Alkohol. Ich trinke ein alkholfreies Tannenzäpfchen in einem bequemen Liegestuhl an einem kleinen Hafenbecken. Es kommt eine Gruppe quirliger junger Mädchen. Es ist heiß in der Mittagssonne. Völlig selbstverständlich ziehen sie sich bis auf die Unterhosen aus und springen quitschend metertief von der Mauer in´s Wasser. FKK war in der DDR für viele selbstverständlich. Sicher kommt daher diese Unbefangenheit.

Das vom Krieg zerstörte und wieder aufgebaute Frankfurt /Oder lockt wenig. Wir essen sehr gut indisch.

Tagesstrecke 125km

Fahrzeit          6:04h

 

 

20.5.2018 Trassenheide auf Usedom über Polen, Kamminke, Ueckermünde bis Schwedt/Oder

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Morgens um 6.15h starten wir ohne Frühstück, aber mit Lunchpaketen des Hotels. Zügig durch die ruhigen Strassen an diesem Pfingstmontag. Wie gestern auf Rügen gibt es heute ein ständiges Auf und Ab in den Dünenwäldern von Usedom. Auch die Strände sind noch leer. Zwischen Koserow und Bansin erstrecken sich kilometerlang die Campingplätze gleich hinter dem Strand und dem Küstenwald. Auf solch einem Stellplatz verbrachten wir eine schöne Woche 1992 mit einem Mietreisemobil. Damals – kurz nach der Wenden- bereisten wir alle neuen Länder. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Soli sei Dank!

Heringsdorf und erst recht der letzte Ort unmittelbar vor der polnischen Grenze, Ahlbeck, sind wieder mondäne, teure Strandorte. Dort sieht alles nach sehr viel Geld aus. Prächtige Villen, teure Hotels. Hoppelnd rollen wir über löchriges Kopfsteinpflaster nach Polen. Entlang der Einfallsstraße nach Swinemünde reihen sich die Straßen lang heute morgen noch verschlossenen Verkaufsbuden aneinander. Wir kommen durch Stadtteile mit den klassischen Plattenbauten. Ich meine jeder Pole trägt eine Plastiktüte bei sich.

Runter zum Stettiner Haff. Kamminke ist ein ganz kleiner deutscher Hafen. Ein Fischer läd seinen Fang aus. Andere Radler warten mit uns auf die Fähre. Wir sind so früh los, weil es nur diese Fähre um 9.45h über das Stettiner Haff gibt. Sonst hätten wir es weitläufig umrunden müssen. So haben wir Zeit für Kaffee und das vom Hotel mitgegebenen Lunchpaket.  Verzehren es auf der Ufermauer.

Die Fähre ist pünktlich. Die Überfahrt nach Ueckermünde dauert 1:20h. Wir erfahren, dass im Haff Süßwasser ist. Die Meeresverbindungen sind so schmal, dass kein Salzwasser eindringt.

Die West-Ost-Querung Deutschlands von Ostfriesland bis Ahlbeck mit dem Rad ist damit beendet. Geht doch immer so schnell. Viele schöne Eindrücke der sehr unterschiedlichen Küsten. An der Nordsee prägen Tausende von Schafen auf den Deichen und Wiesen den Eindruck. Dazu das unendlich erscheinende flache Watt bei Ebbe.  An der Ostsee fehlen die Schafe. Die Gezeiten zieht man kaum an verändertem Wasserspiegel. Und dort ist die Küste häufiger hügelig. Dafür unendlich lange flache Sandstrände.

Von nun an geht es bis zum Königssee tief in den Alpen nach Süden. Mit einem Bogen um Tschechien.

Wir wollen morgen Abend in Frankfurt/Oder sein. Deshalb müssen wir weiter Tempo machen.

Wir folgen in den nächsten Tagen dem Oder-Neisse-Radweg für zirka 550km. Die meisten anderen fahren diesen beliebten Fernradweg von Süd nach Nord, flussabwärts. An diesem Pfingstmontag sind eine Radreisende unterwegs. In Gradtz erreichen wir den Oderbruch. Es ist ein weites Flusstal, durchzogen von vielen Altarmen. Rollen lange über den Deich. Hier beginnt für die nächsten hunderte Kilometer ein sehr beeindruckendes Naturerlebniss. Fast keine Siedlungen. Wiesen, Wälder, Seen, Flussarme. Wie all die Tage zuvor auch heute schönster Sonnenschein. Einziger Fehler: Wind teils von vorn. Wegen der langen Tagesetappe wechseln wir nachmittags für kurze Strecken die Räder. Mein Riese&Müller Rad  ist unglaublich bequem. Ich sitze sehr entspannt, fast senkrecht. Die einstellbare Luftfederung bügelt viele kraftkostenden Unebenheiten weg. Das 14-Gang Rohloffgetriebe  erlaubt die immer optimale Trittfrequenz. G. braucht mit ihrem Enduro-Rad viel mehr Kraft. Ihr Sattel ist sportlich hart. Irgendwann schmerzen uns beide die linken Knie. Wir versuchen mehr rechts zu belasten. Das  macht aber einen unrunden Tritt. (Auch  1 Woche nach diesem Parvorce-Ritt ist mein linkes Knie noch geschwollen und schmerzhaft) G. hält bewundernswert ein hohes Tempo über die 8 Fahrstunden durch. Sie sieht es als Training und Härtetest für ihren im Sommer geplanten Alpencross. Dafür sprechen auch die 603 Höhenmeter, die wir im Flachland heute erklommen haben. Die vielen Dünen und aus der Eiszeit gebliebenen Grund- und Endmoränen ergeben doch einige kraftzehrende Anstiege. Wir sind fast zu kaputt zum Abendessen, müssen aber die über 2000kcal auffüllen, die wir heute verbraucht haben.

Heute war der anstrengenste Tag der Reise.  Wir sind zufrieden mit uns. Die Rezeptionistin im Hotel gibt uns eine tipp für ein italienisches Restaurant. Wir genießen das Abendessen im Gartenlokal am Oderufer. Sehr entspannend.

Gesamtentfernung 166.28 km

Fahrzeit                     08:08 h

Aufstieg                         603 m

19.05.2018 Rügen – Usedom

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Zuerst fahren wir die Nordostküste von Rügen entlang. In einem großen Bogen ein unendlicher Sandstrand zwischen Breege und Growe.

Enttäuschend ist, dass wir an die berühmte Steilküste am Königsstuhl und die Kreidefelsen nicht hin können.  Wegen Absturzgefahr ist der Weg gesperrt.

Wir durchfahren den großen Nationalpark Jasmund im Osten der Insel. Bergauf und bergab.  Teils Teerwege. Aber auch viele sandige Waldwege. Sehr voll und touristisch ist Binz. Mitten im Pfingsttrubel machen wir im Strassencafe Eispause. Sehr aufwendig renovierte Gründerzeithäuser und Kurhalle. Göhren dagegen ist ruhig und familiär.

Ab Göhren setzen wir mit einem Personenschiff in fast 2 Stunden nach Peenemünde über. Es ist der gleiche Schiffstyp wie die Fähre in Kiel, mit der ich bei der Etappe 2017  gefahren bin. Durch diese Schifffahrt verpassen wir Greifswald. Schon sind wir auf Usedom. Berühmt und berüchtigt ist unser Ankunftsort Peenemünde als Raketenstadt. Hier wurden die ersten Weltraumraketen entwickelt, gebaut und getestet. Beim Bau der Raketenfabrik durch Zwangsarbeiter gab es tausende Tote. Wir fahren über das alte Fabrikgelände. Es ist wieder landwirtschaftlich genutzt. Erhalten sind nur wenige Mauerrreste.

Über Bed 1& Bike Quartier gefunden. Es stellt sich als großes Familienhotel heraus. Bekommen für 100€ ein ganzes Appartment.  Wir sehen uns das Hotelbad an. Um diese Zeit ist es voll von Familien. Nichts für uns. Dort kann man nicht schwimmen. Das Essen ist mittelmäßig. Fernsehen im Bett. Fussball Pokalfinalendspiel. Frankfurt gewinnt gegen Bayern. Geht doch!

Morgen ganz früh wollen wir im D-Zugtempo durch Usedom zur Fähre nach Ueckermünde. G. möchte einen Zug in Frankfurt/der erreichen.

Tagesstrecke 75km und 650 Höhenmeter . Und das entlang der Küste.

Fahrzeit         4:15h

18.05.2018 Darss -Stralsund-Rügen

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Nach dem reichlichen Frühstück im Hotel Kranich rollen wir zügig weiter über die sehr schöne Halbinsel Darss.  Alles in bestem Zustand.

Im Reiserückblick war die Halbinsel Darrs der schönste Küstenabschnitt. Auf dem Festland geht es auf ruhigen Radwegen an der Küste entlang Richtung Stralsund.  Im Gegensatz zu Rostock, dass im 2. Weltkrieg völlig zerbombt wurde , ist Stralsund sehr gut erhalten. Die historische Altstadt wurde erweitert mit ansprechenden Neubauten.

Wir wollen nach Hiddensee. Eine sehr beliebte, autofreie kleine Insel westlich von Rügen. Aber das klappt mit der Fähre nicht mehr. Sehr schade. Also mit einer kleinen Fähre nur kurz rüber nach Rügen. Der Radweg führt erst parallel zur Bundesstrasse. Das Fahrradnavigationsgerät Bosch Nyon führt uns im Kontrast dazu anschließend ins Abseits. Der Weg wird immer schlechter. Tiefer Sand erschwert das Radfahren sehr. Dafür ist die Natur unberüht. 3 Rehe äsen friedlich am Wegesrand. Wir warten und beobachten  sie eine ganze Weile. Auf den Bäumen sitzt eine ganze Kolonie schwarzer Kraniche. Es geht nach Norden. Mit der Wittiwer Fähre setzen wir über. Eisessen am Hafen von Wiek. Die örtlichen Honoratioren halten Reden und enthüllen ein Denkmal. Die Blasmusik spielt. Provinz total. Und so schön….

Entlang der Küste müssen wir durch Unmengen von Schnacken. Sprechen und durch den Mund atmen unmöglich. Den Kopf soweit senken, dass das Sonnenschild des Helms die Schnacken vom Gesicht weghält. Nur ist dann auch die Sicht nach vorn auf einen kurze Wegstrecke begrenzt. In den urwaldmäßigen Dünenwälder gibt es viele stehende Gewässer. Deshalb auch die Mücken.  Die Häuser und Strassen sind deutlich verkommener und ärmer als gestern. Es ist Pfingstwochenende. Alles ausgebucht. Die Ungewissheit, wo wir die nächste Nacht schlafen können, ergibt sich daraus, dass die  genauen Tagesrouten nicht geplant sind. In Juliusruh finden wir ein nettes, einfaches Zimmer. Fahren nach dem Duschen und umziehen in ein Hafenlokal. Das Fischessen schmeckt sehr gut.

Et hätt noch immer jot jejangen.

Tagesstrecke 123km

Fahrzeit           6:23h

17.05.2018 Rostock – Darss

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Zuerst holte ich G. in Karlsruhe mit dem Mietwagen ab. Abendessen und Übernachtung bei G.s Freundin in Frankfurt. Danke S. für die Gastfreundschaft.

Aufstehen am Donnerstag um 5 Uhr morgens. Ankunft im Rostock gegen 13 Uhr. Räder ausladen, Vorderräder einbauen, Gepäck montieren und los. Eine Runde durch die Einkaufszone von Rostock. Von dort nach Norden durch Hafen- und Gewerbegebiet nach Warnemünde. Ich habe das Gefühl, es geht nicht schnell genug. Aber wir kommen gut voran. Finden die Fähre über die Rostocker Förde.

Drüben geht’s durch die Küstenwälder und Dünen. Schnell sind wir in Urlaubsstimmung.

Es geht auf die Halbinsel Darss. Es gefällt uns alles sehr gut. Der unendlich lange Sandstrand. Die Wälder. Die schönen Dörfer. Gepflegte, riedgedeckte Häuser. Alles passt. G. findet ein Hotelzimmer im Internet . Später erweist es sich als sehr nettes Hotel in Prerow. Die sehr gastfreundlich Wirtin empfiehlt uns ein Fischlokal am Meer. Blick auf den Sonnenuntergang. Super Essen. Ist das wirklich erst der 1. Abend? Wir sind ganz im Urlaubsmodus.

Müde und sehr zufrieden fallen wir ins Bett .

Tagesstrecke 74km

Fahrzeit          3:55h