Morgens um 6.15h starten wir ohne Frühstück, aber mit Lunchpaketen des Hotels. Zügig durch die ruhigen Strassen an diesem Pfingstmontag. Wie gestern auf Rügen gibt es heute ein ständiges Auf und Ab in den Dünenwäldern von Usedom. Auch die Strände sind noch leer. Zwischen Koserow und Bansin erstrecken sich kilometerlang die Campingplätze gleich hinter dem Strand und dem Küstenwald. Auf solch einem Stellplatz verbrachten wir eine schöne Woche 1992 mit einem Mietreisemobil. Damals – kurz nach der Wenden- bereisten wir alle neuen Länder. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Soli sei Dank!

Heringsdorf und erst recht der letzte Ort unmittelbar vor der polnischen Grenze, Ahlbeck, sind wieder mondäne, teure Strandorte. Dort sieht alles nach sehr viel Geld aus. Prächtige Villen, teure Hotels. Hoppelnd rollen wir über löchriges Kopfsteinpflaster nach Polen. Entlang der Einfallsstraße nach Swinemünde reihen sich die Straßen lang heute morgen noch verschlossenen Verkaufsbuden aneinander. Wir kommen durch Stadtteile mit den klassischen Plattenbauten. Ich meine jeder Pole trägt eine Plastiktüte bei sich.

Runter zum Stettiner Haff. Kamminke ist ein ganz kleiner deutscher Hafen. Ein Fischer läd seinen Fang aus. Andere Radler warten mit uns auf die Fähre. Wir sind so früh los, weil es nur diese Fähre um 9.45h über das Stettiner Haff gibt. Sonst hätten wir es weitläufig umrunden müssen. So haben wir Zeit für Kaffee und das vom Hotel mitgegebenen Lunchpaket.  Verzehren es auf der Ufermauer.

Die Fähre ist pünktlich. Die Überfahrt nach Ueckermünde dauert 1:20h. Wir erfahren, dass im Haff Süßwasser ist. Die Meeresverbindungen sind so schmal, dass kein Salzwasser eindringt.

Die West-Ost-Querung Deutschlands von Ostfriesland bis Ahlbeck mit dem Rad ist damit beendet. Geht doch immer so schnell. Viele schöne Eindrücke der sehr unterschiedlichen Küsten. An der Nordsee prägen Tausende von Schafen auf den Deichen und Wiesen den Eindruck. Dazu das unendlich erscheinende flache Watt bei Ebbe.  An der Ostsee fehlen die Schafe. Die Gezeiten zieht man kaum an verändertem Wasserspiegel. Und dort ist die Küste häufiger hügelig. Dafür unendlich lange flache Sandstrände.

Von nun an geht es bis zum Königssee tief in den Alpen nach Süden. Mit einem Bogen um Tschechien.

Wir wollen morgen Abend in Frankfurt/Oder sein. Deshalb müssen wir weiter Tempo machen.

Wir folgen in den nächsten Tagen dem Oder-Neisse-Radweg für zirka 550km. Die meisten anderen fahren diesen beliebten Fernradweg von Süd nach Nord, flussabwärts. An diesem Pfingstmontag sind eine Radreisende unterwegs. In Gradtz erreichen wir den Oderbruch. Es ist ein weites Flusstal, durchzogen von vielen Altarmen. Rollen lange über den Deich. Hier beginnt für die nächsten hunderte Kilometer ein sehr beeindruckendes Naturerlebniss. Fast keine Siedlungen. Wiesen, Wälder, Seen, Flussarme. Wie all die Tage zuvor auch heute schönster Sonnenschein. Einziger Fehler: Wind teils von vorn. Wegen der langen Tagesetappe wechseln wir nachmittags für kurze Strecken die Räder. Mein Riese&Müller Rad  ist unglaublich bequem. Ich sitze sehr entspannt, fast senkrecht. Die einstellbare Luftfederung bügelt viele kraftkostenden Unebenheiten weg. Das 14-Gang Rohloffgetriebe  erlaubt die immer optimale Trittfrequenz. G. braucht mit ihrem Enduro-Rad viel mehr Kraft. Ihr Sattel ist sportlich hart. Irgendwann schmerzen uns beide die linken Knie. Wir versuchen mehr rechts zu belasten. Das  macht aber einen unrunden Tritt. (Auch  1 Woche nach diesem Parvorce-Ritt ist mein linkes Knie noch geschwollen und schmerzhaft) G. hält bewundernswert ein hohes Tempo über die 8 Fahrstunden durch. Sie sieht es als Training und Härtetest für ihren im Sommer geplanten Alpencross. Dafür sprechen auch die 603 Höhenmeter, die wir im Flachland heute erklommen haben. Die vielen Dünen und aus der Eiszeit gebliebenen Grund- und Endmoränen ergeben doch einige kraftzehrende Anstiege. Wir sind fast zu kaputt zum Abendessen, müssen aber die über 2000kcal auffüllen, die wir heute verbraucht haben.

Heute war der anstrengenste Tag der Reise.  Wir sind zufrieden mit uns. Die Rezeptionistin im Hotel gibt uns eine tipp für ein italienisches Restaurant. Wir genießen das Abendessen im Gartenlokal am Oderufer. Sehr entspannend.

Gesamtentfernung 166.28 km

Fahrzeit                     08:08 h

Aufstieg                         603 m