Bad Muskau ist berühmt durch den Fürst Bückler Park. Im Anschluss an eine für ihn sehr beeindruckende Englandreise begann Fürst Bückler 1815 damit einen Park nach englischem Vorbild zu erstellen. In den folgenden Jahrzehnten investierte er sein ganzes Vermögen in den Park und die Schlösser. Heute beeindrucken die großen alten Singulärbäume, aber natürlich auch die gesamte Parkgestaltung sehr. Ich fahre fotographierend  durch die deutsche und die polnische Parkseite. Sehr schön, dass alles in den letzten Jahren restauriert und erhalten wurde. Einschließlich einer Schmalspureisenbahn.

Die Neiße wird immer schmaler am ihrem Oberlauf. Auf deutscher Seite steht im Kilometerabstand ein 2 Meter hoher  Pfahl in schwarz-rot-gold. Gegenüber entsprechend ein Pfahl in rot-weiss. Auf der Kulturinsel Einsiedel gibt es einen kleinen Freizeitpark. Nicht zu vergleichen mit dem Europapark. Hier ist alles aus Holz. Kreativ, bund und schief. Lustig anzusehen.

Görlitz ist eine Stadt mit 4000 anerkannten Denkmälern! Während ich in der Altstadt frische Erdbeeren, Eis und Schlagsahne genieße und sicherheitshalber die Fahrradakkus lade kommt eine Stadtführung nach der anderen vorbei. Ein Führer erklärt laut, eigentlich müsste er zu jedem Haus etwas erzählen. Alle haben ihre Geschichte. Die Stadt wurde zuletzt von einem Großbrand 1525 zerstört. Dann im Renaissance-Baustil neu aufgebaut. Heute könnte man tagelang die Stadt besichtigen. Ich radle langsamdurch die Altstadt.

Und weiter geht es im Schlussspurt an der immer schmaler werdenden Neiße entlang. Polen auf am rechten Flußufer ist nur 20 Meter entfernt. Kurz schmunzel ich über den Gedanken wie selbstverständlich die Vögel über die Grenze hin- und herfliegen.

Zittau ist der Endpunkt dieser Etappe der Deutschland-Umrundung. Ich fahre gleich zum Bahnhof um zu erfahren, ob und wann ich mit dem Zug nach Dresden fahren kann. Schon in wenigen Minuten geht ein Zug! Super! Dann werde ich Zittau im August ansehen als Startpunkt der nächsten – letzten? – Etappe.

Im Zug nach Dresden atme ich auf. Kein Unfall, keine Panne, alles hat sehr gut geklappt. Tolle Landschaften. Wir haben immer ein gutes Nachtquartier gefunden. Nur Sonnenschein. Nicht einmal die Regenkleidung gebraucht.

Ankunft Dresden-Hauptbahnhof nach der Zugfahrt von 1:50h. Ich möchte in der Bahnhofsnähe übernachten um gleich morgen Früh mit dem Zug nach Lindau zu fahren. Das 1. Hotel ist besetzt. Der Zimmerpreis im 2. Hotel sehr hoch. Ich zögere, ob ich weiter suche. Ich bin müde und hungrig. Was soll´s. Ich buche die „Suite“.

Schließe das Rad in der Tiefgarage in einem separaten Radkeller sicher ein. Das war mir bei dem kostbaren Rad immer sehr wichtig. In der „Suite“  in der 9. Etage  blicke ich durch die verglaste Front über die Einkaufstraße tief unter mir hinüber auf die Türme der Altstadt. Sehr schön!

Ich mache mich auf zum Altstadtbummel.Es sind einige Jahre seit meinem letzten Dresdenbesuch vergangen. Erst komme ich nicht durch Straßensperren hindurch. Es wird gerade eine Firmenlauf mit Tausende von Menschen gestartet. Bekomme beim gemeinsamen Count-down-Zählen in Erinnerung an viele solche Startsituationen Lust mitzujoggen. Aber nicht wirklich. Zu müde, zu matte Beine, schmerzendes Knie. Lieber erst mal was essen. Und zum Nachtisch in einem Cafe nahe der  Frauenkirche ein sehr stimmungsvoller Abschluss. Eine Frau und ein Mann, Opernsänger, singen Opern-Arien und Musikelstücke. Ich bleibe am Brunnen sitzen und genieße den Gesang in einer immer größer werdenden Zuhörerschaft. Es wird dunkel. Die Sänger sind nur noch als Konturen zu sehen. Die Stimmen füllen den weiten Platz.

Ein sehr stimmungsvolles, schönes Ende dieser Etappe meiner Deutschlandumrundung mit dem Fahrrad.

Ab in´s Hotelbett.

Fahrstrecke 115km

Fahrzeit:       5:28h