Vor 7 Uhr verlasse ich das Hotel in Dresden. Bin in wenigen Minuten am Hauptbahnhof. Kaufe  etwas zum Frühstück und  Reiseproviant. Im Zeitschriftenladen kaufe ich den Spiegel und ein Buch.  Was soll ich nehmen? Finde nichts, was ich kenne. Kaufe Simon Beckett: Der Hof. Von ihm hatte ich schon spannende Bücher gelesen. Es stellt sich als tolles Buch heraus.  Hilft mir sehr gut die Reisezeit abzukürzen. Das Buch ist extrem spannend. Und das ist für diesen Reisetag auch sehr nötig.

Denn als ich rechtzeitig zum Bahnsteig komme steht der Zug zwar bereit, aber alle Türen sind geschlossen. Eine Person sitzt auf dem Bahnsteig. Eine Bahnmitarbeiterin. Sie erklärt mir, dass der Zug wegen des Bombenalarms in Dresden ausfällt. So ein Mist!  Sie schlägt mir einen Ersatzverkehr mit zwei Busse und zwei Zügen vor. Es könnte aber schwierig sein mit meinem Fahrrad.  Sehr ermutigend…. Aber was soll ich machen. Der geplante Reiseablauf sah vor: der erste Zug von Dresden nach  Hof, umsteigen nach München, dort in den Zug mit Reservierung anch Lindau.

Wie soll das alles heute noch klappen? Wann werde ich ankommen?

Schnell raus aus dem Bahnhof. Der vorgeschlagene Bus Nr. 66 fährt gerade los. Also auf den nächsten 15 Minuten warten. Muss ich was zahlen? Komme ich mit dem bepackten Fahrrad rein? Es kommt ein langer Gelenkbus. Rolle sofort nach hinten zum Fahrradplatz. Ich schiebe das Rad problemlos über den tiefen Einstieg auf den leeren Stellplatz. Ich gehe davon aus, dass mein Bahnticket für den Ersatzverkehr gelten muss. Frage nicht mehr nach. Im Stadtverkehr muss ich mein Rad im Bus sehr festhalten. Der Fahrer bremst und beschleunigt abrupt. Die Fahrt geht bis zum Linienendpunkt. Warten auf den nächsten Bus. Wieder genau das Gleiche. Der Fahrer fährt noch wilder. Es ist anstrengend das Rad zu halten. Ich bin froh den Bahnhof zu erreichen. Vertraue der Schwarmintelligenz der Mitreisenden auf dem Weg zum Bahnsteig. Es gibt sogar einen für das Fahrrad passenden Bahnsteigaufzug zum Gleis. Wieder die Unsicherheit wegen der Fahrradmitnahme. Auch diesmal kein Problem. Genau so beim Umsteigen in den nächsten Zug.

In Hof bin ich so rechtzeitig, dass ich meinen geplanten Zug nach München rechtzeitig erreiche. Das hatte ich nicht erwartet. Vorher muss ich den Bahnsteig wechseln. Der Fahrstuhl ist zu kurz. Als die Tür schließt bremse ich schnell das Hinterrad, zieh das Vorderrad hoch. Jetzt steht das Fahrrad fast senkrecht im Fahrstuhl. Und eine Frau mit Reisekoffer passt sogar auch noch hinein bevor die Türe schließt. Ich enspanne im Zug. Jetzt kann ich in Ruhe lesen, essen. Schwierig wird nur noch das Besteigen des schweizer Zugs in München. Die Tür zum reservierten Waggon ist defekt, nicht zu öffnen. Ich gehe zum nächsten Waggon. Die Tür öffnet. Sie ist  schmaler ist als mein Lenker. Und es sind zwei hohe Stufen hinauf.  Und innen muß ich das Vorderrad hoch oben in einen Haken hängen. Das kostet einige Kraft. Aber ich habe doch noch genug Kraft für solche Aktionen.

Den Tag über hatte ich die Familie über die verschwiedenen Phasen unterrichtet. D. will ich in Lindau für die gemeinsame Weiterfahrt in´s Montafon treffen. Sie steckt mit dem Auto in einem Stau. Es geht und geht nicht weiter. Ich lese im Zug, dass es in Lindau einen Nahverkehrszug nach Bludenz gibt der wenige Minuten nach meiner geplanten Ankunft abfahren soll.

Er steht gleich auf dem Bahnsteig gegenüber. Ich kaufe in aller Eile eine Fahrkarte im Bahnhofsinneren. Schnell wieder raus auf den Bahnsteig zum abfahrtbereiten Zug. Hinnein. Geschafft! Ich hoffe, das es für heute mein letztes Umsteigen ist.

Gegen 20.30h komme ich in Bludenz an. 2 Busse, 5 Züge, 12 1/2 Stunden Reisedauer. Doch noch eine Spur Abenteuer zum Schluss. Ich entscheide mich am Bludenzer Bahnhof nicht auf D. zu warten sondern auf den Berg zu radeln. Dann erreiche ich die Oberland-Imbissstube, an der wir immer vorbeifahren. Nach diesem Tag habe Lust auf Currywurst-Pommes-Salat und  Bier. Alles schmeckt bestens. Während ich esse ruft D. an. Als ob sie es geahnt hätte, obwohl wir es nicht abgesprochen hatten, hält sie schräg gegenüber der Imbissbude. Und gönnt sich auch noch ein Abendessen nach ihrer staugeplagten Autofahrt von Lahr nach Bludenz in über 5 Stunden.

Es wird dunkel und fängt zu allem Überfluss heftig an zu regnen. Zuletzt brauche ich also doch noch die Regenkleidung. Die Akkus hatte ich in der letzten Nacht nicht mehr geladen. Ich dachte nicht, dass ich noch mit dem Rad fahren würde. Wegen der starken Steigung hoch nach Bartholomäberg mit 600 Höhenmeter nutze ich gerade soviel  Motorunterstützung, dass es mit der Restladung der Akkus reicht. Es klappt.

Resümee: Deutschland ist ein perfektes Radreiseland. Radwege sind nahezu überall. Die Landschaft, Orte, das Meer beeindrucken mich ständig. Ich bin bemüht alles zu beobachten. Ich will unterwegs kein Radio hören oder Ähnliches. Ich schaue, rieche, höre. Wie sagte ein Lehrer unserer Kinder: “ Landschaft schlürfen“. Das Bild gefällt mir gut.

Im August geht es wieder ab Zittau weiter. Durch das Erzgebirge, den bayrischen Wald, nach Passau die Salzach hoch. Bis zum Königssee als süd-ostlichstem Ort in Deutschland.  Danach durch das Alpenvorland. Genaugenommen ist meine Deutschlandumrundung mit dem Fahrrad an meiner Unfallstelle vom Mai 2016 beendet. Aber ich werde dann doch wohl noch bis Lahr mit dem Fahrrad fahren. Ob das in einer Etappe zu schaffen ist wird sich zeigen.

Gesamtstrecke dieses Reiseabschnitts ab Rostock       828 km

Gesamtfahrzeit                                                                   41:25 h

Durchschnittsgeschwindigkeit                                        19,95 km/h