Bei der Abfahrt in Lam sehen wir im Süden die großen Kuppeln auf dem Großen Arber. Von 516m ü.M  geht es zur Passstraße unterhalb des Großen Arber auf 1000m. Es erinnert mich sehr an unsere schöne Schwarzwaldhochstraße.

Der Große Arber ist mit 1455,5 m ü. NHN der höchste Berg des Böhmerwaldes / Bayerischen Waldes und von Niederbayern. Außerdem stellt ein Felsriegel westlich des Gipfelkreuzes mit 1439,6 m Höhe den höchsten Punkt der Oberpfalz dar. Wir sind erstaunt über die langen und steilen Alpinski-Abfahrten. Alles sieht nach Wintersportbetrieb aus. Skilifte, Pistenwalzen. Die momentan geschlossene Gastronomie lebt wohl von der Wintersaison.

So sehr sich die Bergfahrt auch hingezogen hat, nun genießen wir die lange Talfahrt.

Irgendwann führt uns das Bosch Nyon an einen breiten Waldweg. Ein seltenes Verkehrsschild: gesperrt für Radfahrer. Aber das Nyon lotst uns doch dahin… Der Weg ist breit, sehr steil bergab. Weicher neuer Schotter. Wir rollen langsam vorsichtig bremsend bergab. Die Reifen verliehren wegen des Gefälles fast den Gripp. Fahrtechnik ist mit den schweren Ebikes und den vollen Gepäcktaschen gefragt. Schaffen wir gut. Dann hört der Weg einfach auf. Ein schmaler, wurzliger, steiniger,  verblockter Wanderpfad am traumhaft schönen Reschbach bringt uns dazu die nächsten Kilometer zu schieben. Mit Mountainbikes wäre es einen sportliche Herausforderung diesen Singletrail zu fahren. So geht es nicht. Ein laut gurgelnder klarer Bach über felsigem Grund, enges Tal, dichter Wald, die Sonnenstrahlen kommen nur selten zum Boden durch. Die Ungewissheit über die Länge der Schiebepassage beeinträchtigt unsere Freude an dieser Naturschönheit. Irgendwann ist der Weg zu Ende. Über uns eine schmale Brücke. Wir laden die Gepäcktaschen ab, tragen gemeinsam die Räder nach oben. Auf der anderen Seite kommt von links ein Weg den Berg herunter und führt vor uns zu einem Wasserwerk. Wir hoffen, dass der Weg mit dem Talverlauf fahrbar wird. Irgendwie müssen Menschen ja zu diesem Wasserwerk kommen. Oder doch von oben? Wir entscheiden  uns für den scheinbar einfacheren Weg nach unten. Hinter dem Gebäude beginnt ein Staukanal am linken Talrand. Vielleicht zu einer Mühle?  Schon wieder wird der Weg eng und unfahrbar. Also doch umkehren und zurück den Berg hoch. Weit oben ruft eine Frau ihre zwei freilaufenden Hunde zu sich. Sie ist sichtlich überrascht hier Fahrradfahrern zu begegnen…

Endlich können wir wieder Fahrt aufnehmen. Erst nachträglich freue ich mich jetzt über dieses traumhaft romantische Tal. Wir sind mitten im Nationalpark Bayrischer Wald. Unser Ziel ist der längste Baumwipfelpfad und das Nationalpark Informationszentrum oberhalb der Stadt Freyung. Eigentlich mag ich solche Wipfelpfade. Ich besuchte vor Jahren den im thüringischen Nationalpark Hainichen. Aber wie so oft bei dieser Deutschland-Umrundung habe ich nicht die Muße, mir dafür die Zeit zu nehmen. Eisessen, Batterieen laden, erholen. Dann weiter. Es geht abwärts. Die Berge verabschieden sich. Nur zum Ende der Tagesetappe radeln wir nochmals in den kleinen Ort Waldkirchen ganz nach oben. Übernachtung im Hotel. Im klassischen mit Kastanien beschatteten Biergarten gönne ich mir das lokale Traditionsessen: Schweinebraten- Kloß- Sauerkraut mit Kümmel. Schmeckt gut. Das Bier dazu auch.

Aber ab 4 Uhr nachts kommt zunehmende Übelkeit. Irgendwann heftiges Erbrechen etc.  – Wie soll das morgen mit der Radtour werden?

Tagesstrecke 99,29km

Höhenmeter 1908