Um mit dem Kinderanhänger nicht auf einen schlechten Weg zu geraten fahren wir auf der linken Innseite weiter. Die Strecke verläuft sehr angenehm auf dem Hochwasserdeich. Es erinnert mich an die sehr schönen Reiseabschnitte auf dem Oderdamm und am Oberrhein gleich nach Lahr.

Wir kommen aber etwas weit nach Westen bis wir den Inn überqueren können.

Danach sehen wir schon von Weitem Industrieanlagen. Nach den vielen Tagen nur Natur bin ich überrascht. Wir durchfahren große Chemiefabriken. Das Bayerische Chemiedreieck  im südöstlichen Oberbayern ist das Zentrum der bayerischen chemischen Industrie und blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Es gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des High-Tech-Standorts Bayern und zu den bedeutenden Chemieregionen Europas. J. meint, vielleicht lag der Ursprung in Ölquellen, die es hier gab.

Dabei wollen wir die längste Ritterburg der Welt besichtigen. Sie erstreckt sich über 1051 m auf einem schmalen Bergrücken oberhalb der schönen Altstadt von Burghausen.  Enkel F. turnt auf den halb vergrabenen Kanonenkugeln. Bei der extremen Sommerhitze, die uns die ganze Fahrt begleitet, genießen wir die Mittagspause im schattigen Biergarten bei einem Vesper. Sicherheitshalber lade ich die Akkus von J. und mir. Am Abend wird sich zeigen, dass es sehr hilfreich war. G. fährt den ganzen Tag fast ohne elektrische Unterstützung zum Training.  Deshalb hat sie am steilen Anstieg abends noch viel Akkureserve.

Vorher passieren wir noch in Burghausen die Salzach. Folgen kleinen Landstraßen. Dann geht es wieder am Flussufer entlang. Wir halten an. Gehen vorsichtig über die Steine bis zum flachen Wasser. Es ist angenehm warm. F. planscht und legt sich ganz ins Wasser. Er hat sehr viel Spass. Es ist sehr schön für mich das mitzuerleben. Weiter am Salzachufer bis zur großen Kurve um Lauffen. Gleich nach der Brücke essen wir Eis. Im Internet gibt es im weiten Umkreis kein Quartier. Ich benutze die old school Methode Menschen zu fragen. Zuerst andere Eisesser. Die empfehlen mir eine Hotel auf der österreichischen Seite. Radle allein hin. Alles besetzt. Dort bekomme ich den Tipp in Lauffen in einem Hotel zu fragen. Wieder über die Brücke nach Deutschland. Auch belegt.

J. telefoniert mit seinem Studienkollegen aus Wien. Er wohnt 20km entfernt in Seeham. Und lädt uns ein bei ihm und seiner Partnerin zu übernachten. Wir haben etwas ein schlechtes Gewissen sie mit 4 Personen zu überfallen. Nehmen aber dankbar die Einladung an.

Nach Seeham gibt es nochmals einen Anstieg auf über 700m mit 12% Steigung. Dazu benötigt J. seine letzte Akkukapazität. Es reicht ganz knapp.

Wir werden von den Freunden und Eltern freundlichst empfangen und bewirtet. Sitzen bis in die Dunkelheit bei Grillfleisch und Salat im tollen Garten.

B. und M. nochmals ganz herzlichen Dank!

Da wir morgen mit dem Auto alle zusammen ins Montafon fahren ist die Etappe August 2018 meiner Deutschland-Umrundung damit beendet.

An nächsten Tag fahre ich mit em Zug über Salzburg – Wels nach Passau und hole dort unseren VW Bus ab, mit dem J. gekommen war.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr die Deutschland-Umrundung mit dem Fahrrad beenden. Aber es eilt ja nicht. So kann ich im nächsten Jahr die Tour über Salzburg-Königssee und entlang der Alpen bis Lindenberg fortsetzen. Dort war mein Sturz im Mai 2016. Und danach fuhr ich die Strecke im Uhrzeigersinn.

Erneut mein Resümee: es ist eine tolle Erfahrung Deutschland mit dem Fahrrad zu umrunden. Sehr viele verschiedene Regionen. Schöne Eindrücke. Abgesehen von dem Unfall gab es nie ernste Probleme. Die Grenzübertritte sind heute unmerklich. Eine tolle Errungenschaft nach den vielen schrecklichen Kriegen. Was ich leider befürchtete: es kommt nur sehr selten zum Gesprächen mit Einheimischen. Gerade deshalb wollte ich ja mit dem Anhänger fahren und über dieses Hilfsmittel mit den Gastgebern in Kontakt zu kommen. So wie es ideal im Allgäu war. Der Anhänger ist endlich fahrsicher. Aber mit Begleitung von G. und J. und F. hätte mich der Anhänger nur behindert. Da ziehe ich natürlich die Begleitung durch die Familie vor.

Mal sehen für welche Touren ich den Anhänger doch noch nutzen werde. Es lockt mich weiterhin. Aber eher auf flachen Strecken ohne Berge und unfahrbare Wege.

Tagesstrecke    95.39km

Höhenmeter        756

Summe dieses Reiseabschnitts von Zittau nach Seeham :     778,51km

Höhenmeter:    10.880