22.05.2018 Frankfurt/Oder bis Bad Muskau

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Abschied von G.. Sie fährt mit dem Zug heim. Ich radle weiter. Es ist wie gestern. Auf oder neben dem Oderdeich. Es rollt gut. Herrliche Natur. Wie gestern begeistern mich die vielen Grossvögel. Schon wieder Seeadler. Toll. Schwarze Kormorane, Fischreiher, viele Störche. Hinter Eisenhüttenstadt mündet die Lausitzer Neiße in die von Osten kommende Oder. Von hier an folge ich dem Radweg der Lausitzer Neiße bis Zittau.

Lange Zeit gibt es keine Möglichkeit zu trinken oder zu essen. Ich passiere fast keine Ortschaft. Und dann ist alles wie ausgestorben. Keine Gastronomie, kein Geschäft, kein Brunnen. Erst um 14 Uhr finde ich eine Tankstelle. Bockwurst, Apfelschorle, Quarkbällchen. Und 2 Riegel KitKat. Dabei erinnere ich  mich an meine Englandbesuche in den frühen 60iger Jahren. Damals aß ich jeden Tag KitKat.

Heute nutze ich viel die stärkere Unterstützung des Boschmotors um das doch heftig schmerzende linke Knie zu entlasten. Deshalb wechsle ich nach 80km den Akku. Oh Schreck: der Ersatzakku ist nur 2 von 5 Strichen geladen. Ich überlege  wann und wo ich die Akkus aufladen kann. meist klappt es bei einem Gastronomiebetrieb. Aber wer weiss, wann überhaupt wieder mal einer kommt in dieser verlassenen Flusslandschaft. Auf einmal ist der Radweg gesperrt. Für Kilometer hopple ich über schwere Eisenplatten. Die einfachste Wegelösung über den Ackerboden für schwere Lastwagen. Es ist sehr staubig. Irgendwann ist die Baustelle für den neuen Damm zu Ende. Und die Natur der Uferlandschaft beeindrucken mich gleich wieder sehr. Doch die Akkuladung schwindet. Dies ist eine der typischen Stresssituationen durch E-Bikes. Die ständige Frage ob die Akkuleistung reicht. Seit dem ich die Eifel verlassen habe war dies kein Thema mehr. Oft reichte 1 Akku für die ganze Tagesetappe im Flachland bei geringster Motorunterstüzung.

An einer 90Grad Biegung sehe ich direkt vor mir ein Schild: kostenlose Akkuladung für E-Bikes an dem Wasserkraftwerk. Es ist ein altes Gebäude. Ich finde keinen Stecker. Ein Mann fährt auf einem Rasenmäher. Er zeigt mir eine Doppelsteckdose am Zaun. Meine Rettung. Das Wasserwerk wurde von einem Fan alter Technik wieder in Kraft gesetzt. Er sammelt auch alte Fahrzeuge. Ich fotographiere einen alten VW Käfer, einen alten Düsenjäger in dem parkartigen Garten. Ruhe auf einer Bank aus. Esse den Rest von der Tankstelle . Nach 1 Stunde sind beide Akkus ausreichend geladen. Glück gehabt. An der Lausitzer Neiße geht es weiter. Später erneute Pause auf einer Bank am Neißeufer unter einer Eiche. Ich übernachte in Bad Muskau in einem schönen Hotel.

Tagesstrecke 130km

Fahrzeit 6.02h

21.05.2018 Oderbruch bis Frankfurt/Oder

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Heute radeln wir den ganzen Tag entlang der Oder. Natur pur. 40 km kein Haus. Bestens geteerter Radweg auf dem Deich. Leider oft Gegen- und Seitenwind. Die Knie schmerzen noch von der Anstrengung gestern. Manchmal tauschen wir die Räder zur Reiseerleichterung. Der Oderbruch gefällt uns sehr. Wie gestern die breite Ebene mit Wiesen, Wälder und wenigen Feldern. Hinter der Oder ist Polen. Überall kleine Seen der alten Flußläufe.

Die vielen Großvögel begeistern mich. Vor allem mehrere Adler. Viele andere Raubvögel. Störche, Fischreiher. Bei den Gänsen und Enten vor allem der Formationsflug in Keilform.

An manchen Stellen haben kreative Unternehmer die ersten Gastro-Betriebe gegründet. Z.B. wurde ein alter Getreidespeicher zum Cafe und Ferienwohnung. In alten Güterwagen kann man heute für 50€ Übernachten. Und hier an der Oder gibt es Tannenzäpfchen. Unser Kult-Bier aus dem Südschwarzwald. „Das bringt unser Chef immer aus Berlin mit“ klärt mich die Dame hinter der Kuchentheke auf. Es ist zu früh für Alkohol. Ich trinke ein alkholfreies Tannenzäpfchen in einem bequemen Liegestuhl an einem kleinen Hafenbecken. Es kommt eine Gruppe quirliger junger Mädchen. Es ist heiß in der Mittagssonne. Völlig selbstverständlich ziehen sie sich bis auf die Unterhosen aus und springen quitschend metertief von der Mauer in´s Wasser. FKK war in der DDR für viele selbstverständlich. Sicher kommt daher diese Unbefangenheit.

Das vom Krieg zerstörte und wieder aufgebaute Frankfurt /Oder lockt wenig. Wir essen sehr gut indisch.

Tagesstrecke 125km

Fahrzeit          6:04h

 

 

20.5.2018 Trassenheide auf Usedom über Polen, Kamminke, Ueckermünde bis Schwedt/Oder

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Morgens um 6.15h starten wir ohne Frühstück, aber mit Lunchpaketen des Hotels. Zügig durch die ruhigen Strassen an diesem Pfingstmontag. Wie gestern auf Rügen gibt es heute ein ständiges Auf und Ab in den Dünenwäldern von Usedom. Auch die Strände sind noch leer. Zwischen Koserow und Bansin erstrecken sich kilometerlang die Campingplätze gleich hinter dem Strand und dem Küstenwald. Auf solch einem Stellplatz verbrachten wir eine schöne Woche 1992 mit einem Mietreisemobil. Damals – kurz nach der Wenden- bereisten wir alle neuen Länder. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Soli sei Dank!

Heringsdorf und erst recht der letzte Ort unmittelbar vor der polnischen Grenze, Ahlbeck, sind wieder mondäne, teure Strandorte. Dort sieht alles nach sehr viel Geld aus. Prächtige Villen, teure Hotels. Hoppelnd rollen wir über löchriges Kopfsteinpflaster nach Polen. Entlang der Einfallsstraße nach Swinemünde reihen sich die Straßen lang heute morgen noch verschlossenen Verkaufsbuden aneinander. Wir kommen durch Stadtteile mit den klassischen Plattenbauten. Ich meine jeder Pole trägt eine Plastiktüte bei sich.

Runter zum Stettiner Haff. Kamminke ist ein ganz kleiner deutscher Hafen. Ein Fischer läd seinen Fang aus. Andere Radler warten mit uns auf die Fähre. Wir sind so früh los, weil es nur diese Fähre um 9.45h über das Stettiner Haff gibt. Sonst hätten wir es weitläufig umrunden müssen. So haben wir Zeit für Kaffee und das vom Hotel mitgegebenen Lunchpaket.  Verzehren es auf der Ufermauer.

Die Fähre ist pünktlich. Die Überfahrt nach Ueckermünde dauert 1:20h. Wir erfahren, dass im Haff Süßwasser ist. Die Meeresverbindungen sind so schmal, dass kein Salzwasser eindringt.

Die West-Ost-Querung Deutschlands von Ostfriesland bis Ahlbeck mit dem Rad ist damit beendet. Geht doch immer so schnell. Viele schöne Eindrücke der sehr unterschiedlichen Küsten. An der Nordsee prägen Tausende von Schafen auf den Deichen und Wiesen den Eindruck. Dazu das unendlich erscheinende flache Watt bei Ebbe.  An der Ostsee fehlen die Schafe. Die Gezeiten zieht man kaum an verändertem Wasserspiegel. Und dort ist die Küste häufiger hügelig. Dafür unendlich lange flache Sandstrände.

Von nun an geht es bis zum Königssee tief in den Alpen nach Süden. Mit einem Bogen um Tschechien.

Wir wollen morgen Abend in Frankfurt/Oder sein. Deshalb müssen wir weiter Tempo machen.

Wir folgen in den nächsten Tagen dem Oder-Neisse-Radweg für zirka 550km. Die meisten anderen fahren diesen beliebten Fernradweg von Süd nach Nord, flussabwärts. An diesem Pfingstmontag sind eine Radreisende unterwegs. In Gradtz erreichen wir den Oderbruch. Es ist ein weites Flusstal, durchzogen von vielen Altarmen. Rollen lange über den Deich. Hier beginnt für die nächsten hunderte Kilometer ein sehr beeindruckendes Naturerlebniss. Fast keine Siedlungen. Wiesen, Wälder, Seen, Flussarme. Wie all die Tage zuvor auch heute schönster Sonnenschein. Einziger Fehler: Wind teils von vorn. Wegen der langen Tagesetappe wechseln wir nachmittags für kurze Strecken die Räder. Mein Riese&Müller Rad  ist unglaublich bequem. Ich sitze sehr entspannt, fast senkrecht. Die einstellbare Luftfederung bügelt viele kraftkostenden Unebenheiten weg. Das 14-Gang Rohloffgetriebe  erlaubt die immer optimale Trittfrequenz. G. braucht mit ihrem Enduro-Rad viel mehr Kraft. Ihr Sattel ist sportlich hart. Irgendwann schmerzen uns beide die linken Knie. Wir versuchen mehr rechts zu belasten. Das  macht aber einen unrunden Tritt. (Auch  1 Woche nach diesem Parvorce-Ritt ist mein linkes Knie noch geschwollen und schmerzhaft) G. hält bewundernswert ein hohes Tempo über die 8 Fahrstunden durch. Sie sieht es als Training und Härtetest für ihren im Sommer geplanten Alpencross. Dafür sprechen auch die 603 Höhenmeter, die wir im Flachland heute erklommen haben. Die vielen Dünen und aus der Eiszeit gebliebenen Grund- und Endmoränen ergeben doch einige kraftzehrende Anstiege. Wir sind fast zu kaputt zum Abendessen, müssen aber die über 2000kcal auffüllen, die wir heute verbraucht haben.

Heute war der anstrengenste Tag der Reise.  Wir sind zufrieden mit uns. Die Rezeptionistin im Hotel gibt uns eine tipp für ein italienisches Restaurant. Wir genießen das Abendessen im Gartenlokal am Oderufer. Sehr entspannend.

Gesamtentfernung 166.28 km

Fahrzeit                     08:08 h

Aufstieg                         603 m

19.05.2018 Rügen – Usedom

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Zuerst fahren wir die Nordostküste von Rügen entlang. In einem großen Bogen ein unendlicher Sandstrand zwischen Breege und Growe.

Enttäuschend ist, dass wir an die berühmte Steilküste am Königsstuhl und die Kreidefelsen nicht hin können.  Wegen Absturzgefahr ist der Weg gesperrt.

Wir durchfahren den großen Nationalpark Jasmund im Osten der Insel. Bergauf und bergab.  Teils Teerwege. Aber auch viele sandige Waldwege. Sehr voll und touristisch ist Binz. Mitten im Pfingsttrubel machen wir im Strassencafe Eispause. Sehr aufwendig renovierte Gründerzeithäuser und Kurhalle. Göhren dagegen ist ruhig und familiär.

Ab Göhren setzen wir mit einem Personenschiff in fast 2 Stunden nach Peenemünde über. Es ist der gleiche Schiffstyp wie die Fähre in Kiel, mit der ich bei der Etappe 2017  gefahren bin. Durch diese Schifffahrt verpassen wir Greifswald. Schon sind wir auf Usedom. Berühmt und berüchtigt ist unser Ankunftsort Peenemünde als Raketenstadt. Hier wurden die ersten Weltraumraketen entwickelt, gebaut und getestet. Beim Bau der Raketenfabrik durch Zwangsarbeiter gab es tausende Tote. Wir fahren über das alte Fabrikgelände. Es ist wieder landwirtschaftlich genutzt. Erhalten sind nur wenige Mauerrreste.

Über Bed 1& Bike Quartier gefunden. Es stellt sich als großes Familienhotel heraus. Bekommen für 100€ ein ganzes Appartment.  Wir sehen uns das Hotelbad an. Um diese Zeit ist es voll von Familien. Nichts für uns. Dort kann man nicht schwimmen. Das Essen ist mittelmäßig. Fernsehen im Bett. Fussball Pokalfinalendspiel. Frankfurt gewinnt gegen Bayern. Geht doch!

Morgen ganz früh wollen wir im D-Zugtempo durch Usedom zur Fähre nach Ueckermünde. G. möchte einen Zug in Frankfurt/der erreichen.

Tagesstrecke 75km und 650 Höhenmeter . Und das entlang der Küste.

Fahrzeit         4:15h

18.05.2018 Darss -Stralsund-Rügen

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Nach dem reichlichen Frühstück im Hotel Kranich rollen wir zügig weiter über die sehr schöne Halbinsel Darss.  Alles in bestem Zustand.

Im Reiserückblick war die Halbinsel Darrs der schönste Küstenabschnitt. Auf dem Festland geht es auf ruhigen Radwegen an der Küste entlang Richtung Stralsund.  Im Gegensatz zu Rostock, dass im 2. Weltkrieg völlig zerbombt wurde , ist Stralsund sehr gut erhalten. Die historische Altstadt wurde erweitert mit ansprechenden Neubauten.

Wir wollen nach Hiddensee. Eine sehr beliebte, autofreie kleine Insel westlich von Rügen. Aber das klappt mit der Fähre nicht mehr. Sehr schade. Also mit einer kleinen Fähre nur kurz rüber nach Rügen. Der Radweg führt erst parallel zur Bundesstrasse. Das Fahrradnavigationsgerät Bosch Nyon führt uns im Kontrast dazu anschließend ins Abseits. Der Weg wird immer schlechter. Tiefer Sand erschwert das Radfahren sehr. Dafür ist die Natur unberüht. 3 Rehe äsen friedlich am Wegesrand. Wir warten und beobachten  sie eine ganze Weile. Auf den Bäumen sitzt eine ganze Kolonie schwarzer Kraniche. Es geht nach Norden. Mit der Wittiwer Fähre setzen wir über. Eisessen am Hafen von Wiek. Die örtlichen Honoratioren halten Reden und enthüllen ein Denkmal. Die Blasmusik spielt. Provinz total. Und so schön….

Entlang der Küste müssen wir durch Unmengen von Schnacken. Sprechen und durch den Mund atmen unmöglich. Den Kopf soweit senken, dass das Sonnenschild des Helms die Schnacken vom Gesicht weghält. Nur ist dann auch die Sicht nach vorn auf einen kurze Wegstrecke begrenzt. In den urwaldmäßigen Dünenwälder gibt es viele stehende Gewässer. Deshalb auch die Mücken.  Die Häuser und Strassen sind deutlich verkommener und ärmer als gestern. Es ist Pfingstwochenende. Alles ausgebucht. Die Ungewissheit, wo wir die nächste Nacht schlafen können, ergibt sich daraus, dass die  genauen Tagesrouten nicht geplant sind. In Juliusruh finden wir ein nettes, einfaches Zimmer. Fahren nach dem Duschen und umziehen in ein Hafenlokal. Das Fischessen schmeckt sehr gut.

Et hätt noch immer jot jejangen.

Tagesstrecke 123km

Fahrzeit           6:23h

17.05.2018 Rostock – Darss

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Zuerst holte ich G. in Karlsruhe mit dem Mietwagen ab. Abendessen und Übernachtung bei G.s Freundin in Frankfurt. Danke S. für die Gastfreundschaft.

Aufstehen am Donnerstag um 5 Uhr morgens. Ankunft im Rostock gegen 13 Uhr. Räder ausladen, Vorderräder einbauen, Gepäck montieren und los. Eine Runde durch die Einkaufszone von Rostock. Von dort nach Norden durch Hafen- und Gewerbegebiet nach Warnemünde. Ich habe das Gefühl, es geht nicht schnell genug. Aber wir kommen gut voran. Finden die Fähre über die Rostocker Förde.

Drüben geht’s durch die Küstenwälder und Dünen. Schnell sind wir in Urlaubsstimmung.

Es geht auf die Halbinsel Darss. Es gefällt uns alles sehr gut. Der unendlich lange Sandstrand. Die Wälder. Die schönen Dörfer. Gepflegte, riedgedeckte Häuser. Alles passt. G. findet ein Hotelzimmer im Internet . Später erweist es sich als sehr nettes Hotel in Prerow. Die sehr gastfreundlich Wirtin empfiehlt uns ein Fischlokal am Meer. Blick auf den Sonnenuntergang. Super Essen. Ist das wirklich erst der 1. Abend? Wir sind ganz im Urlaubsmodus.

Müde und sehr zufrieden fallen wir ins Bett .

Tagesstrecke 74km

Fahrzeit          3:55h

3. Reiseabschnitt Bremen-Rostock vom 3.8. bis zum 11.8.2017

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3. Reiseabschnitt vom 3.8. bis 11.8.2017

Bremen-Sylt-Flensburg-Kiel-Rostock : 826km.

Mittlerweile hat meine Deutschland-Umrundung mit dem Fahrrad schon eine eigene Routine. Das Gepäck ist optimiert vermindert. Mit Ersatzakku und 2 Ladegeräten füllt es 2 Ortliebtaschen a 20 Liter nicht aus. Dazu 1 Ortlieblenkertasche. Die Streckenplanung beginnt nach old-school-Art mit einer Landkarte. Damit kann ich mich am Besten orientieren. Die genaue Strecke zeigt das Navi-Programm im Bosch Nyon. Aber leider immer wieder mit kraftkostenden Umwegen oder Sackgassen. Davon später mehr.

In den letzten Tagen vor der Abfahrt sagte Tochter G. ihre Begleitung bis Sylt zu. Überraschend fährt dann auch Sohn F. mit. Das erfreut mein Vaterherz natürlich sehr. Denn ich hatte nicht erwartet, dass sie Zeit und Lust auf  eine solche Reise haben würden.

1.Reisetag: 03.08.2017 :

Als wir den vorbestellten Mietwagen in Offenburg abholen gibt es eine freudige Überraschung. Bestellt hatte ich ein Fahrzeug in Passatgröße. Der Verleiher meint schmunzelnd, er brauche mir das Fahreug nicht zu erklären. Er sah, dass wir mit unserem VW T5 California kamen. Der Leihwagen ist ein super ausgestatteter schwarzer VIP-Luxusbus VW T6 mit Automatik und 6 Einzelsitzen. Damit haben wir optimalen Platz für nunmehr 3 Fahrräder, Gepäck und uns. Die Fahrt nach Bremen klappt reibungslos und bequem. An der Europcar-Niederlassung, an der ich den 2. Reiseabschnitt beendete, geben wir den Mietwagen ab und schwingen uns auf die Räder. Wir beginnen mit einer kurze Begrüßungsrunde durch die Bremer Altstsdt. Den kleinen Bremer Stadtmusikanten am Rathaus schnell guten Tag sagen. Dieses Mal gibt es kein Essen im Rathauskeller wie vor einigen Jahren bei einem Besuch mit dem Reisemobil auf dem Weg nach Norwegen. Es ist schon später Nachmittag. Wir wollen noch aus Bremen raus. Kommen durch den unangenehmen Großstadtverkehr bis Vegesack. Ich würde ein – teures – Hotelzimmer für uns nehmen. Die Kinder haben den Ehrgeiz über ihre Handy´s Alternativen zu suchen. F. schafft es ganz schnell zu buchen. Ein Gästehaus des teuren Hotels, in dem ich gerade nach Zimmer fragte. Etwas einfacher, aber zum halben Preis! Und die Fahrräder werden im Hotelkeller sicher abgeschlossen. Danke F.! Danach leckeres Fischessen und kurzer Bummel an der Weser. Morgen wird es richtig losgehen: in 3 Tagen Richtung Norden bis Sylt.

Tagesstrecke: 21,22km

2. Reisetag:04.08.2017

Wenige Minuten nach der Abfahrt frühstücken wir ausgiebig in einer Bäckerei. Eine gute Essensgrundlage für eine lange Tour ist immer eine nette Begründung. Zurück an die Weser. An ihrem rechten Ufer radeln wir zügig Richtung Bremerhafen. Typische Ried- und Moorgegend hinterm Deich. Plattes Land. Von nun an sehn wir in den nächsten Tagen tausende Schafe, die die Deiche abweiden und mit ihren Hufen das Grass verdichten. Kurzer Stopp nach 40km in Bremerhaven. Und weiter 60 Kilometer an der Küste entlang. Wir sind unsicher, wie die Fährverbindung über die Elbe ab Cuxhaven sein wird. Deshalb wollen wir erst mal dort hin. Heute sehe ich auf der Karte, was wir beim Fahren dann auch bemerken, beim Tageskilomer 108 hätten wir nach Norden gerade fahren können zur Fähre. Wir folgen  Straßenschildern, die uns einen 5km langen Umweg um ein großes Hafenbecken radeln lassen. Dann sind wir an der Fähre. Erfahren, das wir 2 Stunde Zeit bis zur Abfahrt haben. Nun können wir in einem der vielen Fischrestaurante direkt im Fischhafen essen. Zünftig und lecker. Wir schieben die Räder runter in den Bauch der Fähre zu den  Autos und LKWs. Auf dem Deck tolle Aussicht auf die Nordsee. Und die großen Seeschiffe. Wir schippern über der Elbmündung rüber nach Brunsbüttel. Die bewährte bed&bike App führt uns zu einer Ferienwohnung in einer früheren Schule.

Heute lese ich, dass die Fähre erst im Mai 2017 nach längerer Pause den Betrieb wieder aufgenommen hatte und Ende 2017 durch mangelnder Auslastung Insolvenz angemeldete. Für uns war dies eine sehr schöne Überfahrt. Glück gehabt ohne es zu ahnen.

Tagesstrecke: 121,95km.

3. Reisetag:05.08.2017

Entlang der Nordseeküste bis Sankt Peter Ording und noch ein Stück weiter Richtung Husum bis Garding. Auch heute wieder direkt am Meer entlang. An diesem Reisetag war das Thema „Wind“ spannend. Wenig merkbarer, aber sehr angenehm schiebender Rückenwind. Durch wenig Fahrtwind kaum Fahrgeräusche. Schnelles, ruhigesund leises Gleiten. Das Wesselburener Watt nach Sankt Peter Ording macht einen Halbkreis.  Deshalb muß irgendwann der Gegenwind kommen. Mit meinem E-Bike keine zusätzliche Anstrengung. Um so mehr für G. und F. mit ihren nur durch Muskelkraft angetriebenen Rädern. Nach 70km tausche ich mit F. das Rad. Ich darf seinen Stahlesel bewegen, er lacht auf meinem E-Bike. G. fährt super taff auf ihrem auch nicht gerade für Touren gedachten Enduro-Bike die ganze Tour…!

In Sankt Peter Ording treffen wir auf einen absoluten Touristentrubel. Geniessen große Eisportionen und wenden uns wieder zurück nach Westen. Dabei geraten wir zu weit südlich. Es wird spät. Fangen an ein Nachtquartier zu suchen. Nichts frei! Eine Vermieterin macht uns einen Vorschlag. Alle Zimmer sind belegt, aber sie hat einen Bauwagen als Notquartier für Radfahrer. 60€ pro Nacht. Wir sagen zu und fahren hin. Es ist zum schmunzeln: ein großer alter Wagen mit uraltem Stockbett, Doppelbett, alten Küchenmöbeln. WC und Dusche im Nebengebäude. Nachts erweist sich der Wagen als regendicht. Gut so. Vorher gutes Essen in einem stark frequentiertem Lokal. Der Hunger ist groß. Das Essen schmeckt gut.

Tagesstrecke:112,17

4. Reisetag: 06.08.2017

Morgens geht es ohne Frühstück wieder los. Gestern hörten wir mehrfach, es könnte schwierig sein mit unseren Fahrrädern den notwendigen Bahntransport nach Sylt zu bekommen. Im Bahnhof Husum bekommen wir keine Information der Bundesbahn. Vor dem Bahnhof frage ich eine Passantin nach einem Frühstückscafe. Sie beschreibt uns ein Cafe in der Innenstadt. Auf der Tür steht : Öffnung um 11 Uhr. Es ist 10.30h. Von innen sieht uns der Chef.  Er lässt uns rein. Es duftet nach frischem Kuchen. Es gibt kein Frühstück aber jede Menge gerade frisch gebackene Kuchen ganz eigener Art. Wir gönnen uns diese leckeren Kuchen mit großer Freude. Bei Besuch auf dem WC: sehr ungewöhnliche Klolektüre. Dort stehen einige Bände von Karl Marx und Friedrich Engels. Wie in meiner Studentenzeit. Macht Spass. Der Tag fängt sehr nett an.

Also fahren wir voller Spannung zügig bis zum Bahnhof Niebüll. Dann die freudige Entlastung. Wir können unproblemtisch die Bahntickets mit Fahrradmitnahme buchen. Mit dem Zug über den Hindenburgdamm nach Westerland. Noch vor kurzer Zeit mußte der Zugverkehr aud dieser Strecke gestoppt werden, weil eine Radfahrerfamilie auf dem absolut gesperrten Versorgungsweg neben den Gleisen nach Sylt gelangen wollte. Unser Zug rollt ohne Unterbrechung.

In Westerland haben wir die einzigen Zimmer dieser Reise vorgebucht wegen der Hochsaison. Das Gepäck  deponieren wir im Hotel. Extremer Trubel im Ortszentrum. Wir schieben zum Strand. Und wenden uns nach Süden.Wir freuen uns über die Dünen, die Weite, die riedgedeckten Häuser. G. will unbedingt in das Schullandheim 5-Städte-Heim vor Hörnum. Sie meint, es ist wie vor 15 Jahren, als sie mit der Klasse hier war.  Rundfahrt durch die Südspütze der Insel Sylt: Hörnum. Essen zum Ende der gemeinsamen Reise in einem teuren Lokal. Auf dem Rückweg nach Westerland begegnet uns eine Gruppe johlender junger Männer auf ihren Rädern. Einer ist nackt. Alle haben ihren Spass. Partystil a la Sylt.

Tagesstrecke:118,64km

5.Reisetag:07.08.2017

Nach dem Frühstücksbuffet im Hotel fahren wir nach Norden. Finden einen kostenlosen Zugang zum Meer. Ein großer, massiver Holzsteg führt über die Düne. Der heftige Meereswind bläst uns entgegen. Der Strand ist weit und fast leer. Einige Menschen wandern entlang der Wasserlinie. Die hohen Wellen toben. Das Wasser sieht kalt aus. Der Wind macht es noch ungemüdlicher. Aber ich badete als Kind immer gerne im Meer. Also nichts wie rein. Kopf runter, durch die Wellen tauchen. Dann versuche ich auf einem Wellenkamm zum Strand zu reiten. Die über mir zusammenbrechenden Wellen schleudern mich Richtung Strand. Ich werde hin und her gerissen, tauche in ruhigem Wasser wieder auf. Wow- super!!! Die Wellen sind ganz anders, winzig gegenüber denen in Bali. Dennoch erinnere ich mich an die Pazifikdünung und das Bodyserven dort. Die Wellen prügeln mich warm. Kein Gefühl von Kälte. An Schwimmen ist nicht zu denken. Immer wieder unter der Wellen durchtauchen. Erst F, dann G. lassen sich anstecken. Haben auch ihren Spass. Wenn auch nur für wenige Minuten. Es wird doch zu frisch.

Dann trennen wir uns. G. und F. müssen zurück. Ihre Arbeit ruft sie nach Köln und Frankfurt. Sehr schade. Es war sehr schön zusammen diese 4 Tage zu reisen. Sie legen sich noch eine Weile in den Sand bis ihr Zug fährt.

Etwas wehmütig radle ich allein weiter.  Durch dien großen Dünen zum 2. Zipfelort: die nördlichste Stelle Deutschlands ist List. Auf der Landkarte ist es die Halbinsel Ellenbogen. Ich gehe davon aus dort eine Art Informationsstelle zu finden wie in Selfkant. Nichts. Ich laufe am Ende der Stasse bis zum Strand. Nichts. Dünen, Wanderer, in der Bucht Königshafen üben in ruhigem  Brackwasser Dutzende Kitsurfer. Die bunten Segel ergeben ein schönes Bild. Ich kann nicht mehr lange bleiben. Es ist schon Mittag. Ich will noch nach Flensburg! Mit voller Kraft um die große Bucht von Königshafen nach List. Ich sehe die Fähre nach Römö. Nichts wie hin. In 5 Minuten legt sie ab. Ich habe kein Zeit um noch in List nach einem Gedenkplatz des Zipfelorte zu suchen. Mit der Syltfähre nach Römö. Ich muß schmunzeln bei der Erinnerung an die Fahrt auf dieser Fährverbindung vor 50 Jahren. Nach dem Abitur fuhr ich mit meinem Kleinkraftrad Kreidler Florett von Bonn über Hamburg und die Vogelfluglinie nach Kopenhagen. Danach Helsingör-Helsingborg-Malmö-wieder Kopenhagen, zum dänischen Festland, gegen den Uhrzeigersinn bis Skagen und runter nach Römö. Nach Deutschland zurück mit dere Fähre nach Sylt. Schon damals mochte ich solche langen Touren.

Im Hafen von Römö komme ic um 15.30 Uhr an. Nach Flensburg sind es 86km. Das Bosch Navi zeigt: Ankunftszeit 18.38h. Das wird kanpp mit Hotelsuche. Nichts wie los. Der Damm zum Festland führt 10km geradeaus.

Mit maximaler Turbounterstützung des Boschmotors quer durch Dänemark. 86km in 3 1/2h. Tempo 26-27km/h. so gerade an der Grenze der Motorunterstützung. Bein schnellerem Tempo muß die Motorunterstützung abriegeln.Das geht schon, aber ist natürlich anstrend in der aufrechten Sitzhposition mit dem bepacktenTourenard. Mit meinen Triathlonrad fahre ich 30-35km/h dauernd. Langestreckt auf den Lenkerauslegern mit den Unterarmen liegend. Das ist dann ein völlig anderer Luftwiederstand, anderes Gewicht, geringerer Rollwiederstand. Ich passiere Lubumkloster.  Mir fallen die vielen deutschen Schilder auf. An einem Supermarkt in Lubumkloster will ich etwas essen und  trinken. Der Kassierer sagt ich könnte mit Euro zahlen. Kaufe  Kuchen un dkakao. Für  knapp 4 Euro. Ich geben ihm 4 Euro in Münzen. Nein, er dürfe nur Scheine annehmen. Mein kleinster Schein: 20€.  Rückgeld in Dänischen Kronen, die ich nicht brauche. Eine teure kleine Zwischenmahlzeit. Und wieder Vollgas: Lange gerade Straßen, wenig Radwege, aber auch wenig Verkehr. Es läuft super. Gegen 19 Uhr bin ich wieder in Deutschland. Gleich hinter der Grenze führt der Radweg an die Flensburger Förde. Strandleben mit vielen Besucher, ein Yachthafen. Davor steht ein Jaguar E-Type Cabrio. Seit meinen Englandbesuchen in den frühen 60iger Jahren liebe ich die englischen Autos dieser Zeit. Und der absolute Traumwagen damals war dieser E-Type. Es ist immer noch ein wunderschönes Auto. Ich fachsimple mit dem Eigentümer. Der Platz gefällt mir. Direkt neben dem Jachthafen ist das Hotel  Wasserleben.Dort gönne ich mir ein sehr schönes Zimmer mit Balkonsicht über die ruhige Abendsee. Sehr entspannte Stimmung. Und ein sehr gutes Abendessen.

Tagesstrecke:119,63km

6. Reisetag:08.08.2017

Jetzt geht es wieder nach Süden.Ich bin überrascht von der sehr schönen Altstadt von Flensburg. Die kannte ich von einem Kurzbesuch vor Jahren noch nicht. Ich denke daran, das hier hoch oben in Norddeutschland der Dienstleister sitzt, bei dem meine Gehaltabrechnungen gemacht werden. 1000km Entfernung ist heute kein Grund gegen gute Kooperation.

Der Ostseeradweg beginnt.  Er wird mich schließlich in dieser Reiseetappe am 11.8.2017 bis Rostock führen

Kappeln – Eckernförde –  Kiel

Zuerst aber bis Kiel-Laboe. Mit Zimmer direkt am Strand.

Tagesstrecke:121,61km

7.Reisetag:09.08.2017

Dieses Mal geht der Weg  lange an der Küste. Später habe ich das Gefühl, ich müßte etwas schneller voran kommen nach Rostock. Der Weg nach Fehmarn ist mir zu weit. Ende in Wismar.

Tagesstrecke:: 133,77km

8. Reisetag:10.08.2017

Zu meiner Überraschung sind es nach Rostock nur noch 76km. Mittags komme ich am Bahnhof Rostock an.  Ich informiere mich, wann und wo morgen mein Zug nach Lindau abfährt. Das Ticket hatte ich schon in Timmendorf gekauf. Zimmersuche über bike&bed App. Hostel?  Will ich das? Na ja, ich kann ja fragen. Besetzt. Auch gut. Dann eben in das naheliegende Hotel der Steigenberger-Gruppe. „Zufällig“ wurde ein Einzelzimmer abgesagt. Glaube ich zuerst nicht. Dann später am Hafen wird mir klar, dass ich  großes Glück hatte, noch ein Zimmer zu bekommen. Es ist Rostock Sail. Das touristische Ereigniss. Erwartet werden 1 Millionen Besucher. Abends sehr  eindrucksvolle Fahrt auf einem alten 2-Mast-Segelschiff zum Sonnenuntergang  auf die Ostsee. Zusammen mit zirka 30 anderen großen Segelschiffen. Ein sehr beeindruckendes erlebnis. Schönstes Sommerwetter und Bilderbuchsonnenuntergang. Toll!

Tagesstrecke:: 76,05km

Gesamtstrecke Bremen-Rostock 826km

9. Reisetag:

Zugfahrt Rostock-Friedrichshafen am Bodensee. Wegen Verspätung über 14 Stunden Bahnfahrt. Sohn J. holt mich zu später Stunde dort noch ab.

Danach  Familienurlaub im Montafon.

Von Lahr nach Bremen 29.05. bis 07.06.2017

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Reisedauer 10 Tage         Distanz 1247km

Route: Lahr-Lauterburg-Saarbrücken-Luxemburg-Monschau-Aachen-1. Zipfelort Selfkant-Heinsberg-Kirsel-Dilzum-Emden-Pilzumer Leuchtturm-rund um Ostfriesland-Wilhelmshafen-Dangast-Bremen

1.Reisetag:  29.05.2017

Dieses Jahr transportiere ich den Ersatzakku und die beiden Netzteile zum Batterieladen griffbereit auf dem Gepäckträger. Gewicht des Riese&Müller Homage mit Zusatzakku, Gepäck und Fahrer  knapp 120kg. Damit läst sich sehr entspannt radeln. Das Reisegepäck ist durch meine Erfahrung vieler früherer Touren auf ein Minimum reduziert. Und ohne den Wohnanhänger mit großem Gepäckraum bin ich nicht  zur Mitnahme einer kompletten Campingausrüstung verführt wie 2016.

So wie bei dem Start vor 1 Jahr geht es zuerst an den Rhein bei Ottenheim.  Von Lahr aus sind es nur zirka 15km bis zur deutsch-französischen Grenze. Von dort Richtung Norden. Am Rhein entlang und durch die Auenwälder. Sehr imponierend: rund um die Pferderennstrecke Iffezheim gibt es viele große Pferdegestüte, Stallungen, Pferdeklinik. Eine Reiterin erklärt mir bereitwillig die Nutzung einer Art Karussell für Pferde. Die Pferde laufen in einem Gang. Innen dreht sich ein Metallgestell mit Trenngittern. Die Pferde müssen vor den Gittern laufen. Es dient dem langsamen Trainieren nach Verletzungen oder auch für das Ausdauertraining.  Zwischen Raststatt und Seltz setze ich auf einer kleinen Autofähre Fähre nach Frankreich über. Es ist ein ein heißer Sommertag. Temperatur über 35 Grad. Dank der kräftigen Unterstützung durch den Boschmotor läuft es ohne  Anstrengung. Die erste  Übernachtung dieses Reiseabschnitts gönne ich mir in einem kleinem, typisch elsässischen Hotel in Lauterbourg, Frankreich.

Tagesstrecke 128km.

2. Reisetag: 30.05.2017

über den Hunsrück bis  Saarbrücken.

Hügelige Strecke, immer wieder schöne weite Ausblicke über das Elsass und zum Pfälzer Wald. Ich passiere einige Truppenübungsplätze.

In Saarbrücken nutze ich erstmals die bed&bike app. Damit finde ich ein sehr nettes Quartier: Zum Radlerparadies. Die sehr freundliche Gastgeberin Hildegard kocht mir ein leckeres Abendessen. An diesem  warmen Sommerabend auf ihrer Terrase gibt es Frühlingsspaghetti, Salat, Gemüse. Schöne Gespräche über die imponierenden Reisen der Gastgeber in der ganzen Welt.

Tagesstecke 137km

3. Reisetag: 31.05.2017

Erst vom Bosch Nyon Navi fehlgeleitet in die Berge, dann über einen verblockten Singeltrail zwischen enge stehen Bäumen wieder runter an die Saar. Dafür ist das schwere, breite Homage eigentlich nicht gemacht. Ich muss sehr aufpassen um nicht zu stürzen. Die Industrieruine der Völklinger Hütte ist eine imponierende Erinnerung an die frühere Stahlindustrie. An der Saar entlang kommt zuerst das neue Stahlwerk.Dann lange weiter flussabwärts. Quer über die Berge zur kleinen Mosel, la Moselette. Pause in Schengen. Bekannt durch das Schengener Abkommen.  Ich will in einer Eisdiele meine Akkus laden. Die Steckdosen sind unerreichbar unter der Decke wegen des regelmäßigen Hochwassers. Also an diesem Tag ist Strom sparen angesagt. Es zeigt sich in den nächsten Tagen, dass ich mit 2 Akkus  mit je 500 Watt nicht am Tag nachladen muss. Luxemburg ist eine sehr hügelige, tolle alte Stadt. Voller chinesischer Touristen. Durch das Land Luxemburg nach Norden, teils über schöne Feld- und Waldwege, teils sehr volle  Autostrassen. In der bed&bike app kein Quartier zu finden. Ebenso erfolgsuche Suche nach einem Hotel am Weg. Dies ist am späten Nachmittag immer wieder mal spannend. Heute frage ich in einem Bikeshop um Hilfe. Sie telefonieren für mich mit verschiedenen Hotels, dann gibt es endlich eine Zimmerzusage. Der Hotelier meinte bei der Rechnung am nächsten Morgen, es sei in Luxemburg alles doppelt so teuer wie in den Nachbarländern…

Tagesstrecke 118km

4.Reisetag: 01.06.2017

von Mersch durch Luxemburg und Belgien nach Monschau.

Sehr schöne und entspannende Fahrt an den Flüsschen Súre und Our. 4 Motorradfahrer üben in extrem langsamer Fahrt und mit sehr geringen Abstand zum Vordermann Kunststücke auf ihren schweren Maschienen. In Zivilkleidung, aber wegen der Polizeifahrzeuge um den Übungsplatz gehe ich davon aus, dass es einen Polizeistaffel ist. Ihre Kunst des Langamfahrens beeindruckt mich sehr. Schnell fahren ist viel einfacher. Dann hoch zum Venn-Radweg. In meiner Fahrtrichtung von Süd nach Nord geht es auf dieser alten Eisenbahnstrecke danach fast nur bergab. Die Eisenbahn war eine Hauptverbindungsstrecke für die Kohle- und Eisenindustrie. Am Wegesrand alte Bahnhöfe, Wartehäuschen, Signale, Lokomotiven und Waggons. Kurze Streckenabschnitte führen durch dunkle Tunnels. Dies ist sicherlich eine besonders schöne und entspannend zu fahrende Strecke. Am Abend biege ich nach Monschau ab. Übernachtung in einem Jahrhunderte alten, schieferbedeckten Fachwerkhaus. Über bed&bike gefunden. Der hilfsbereite Hausherr ölt morgens sehr sorgfältig meine staubige Fahrradkette. Vielen Dank!

Tagesstrecke 152km

5.Reisetag: 02.06.2017

Monschau – Aachen- Heinsberg

Weiter rolle ich entspannt den Venn-Radweg weiter bis zum Endpunkt beziehungsweise für die meisten Nutzer Startpunkt in Aachen. Teils durch Belgien, teils Deutschland. Sehr schöne Landschaften. Die Eisenbahntrasse vermeidet alle Ortsdurchfahrten. Ich hatte in der Vorbereitung  überlegt zum Kloster Steinfeld in der Eifel zu fahren weil ich als Schüler dort 3 Jahre im Internat war. Aber es hätte letztlich 1 Tag Umweg bedeutet. Das ist mir zu lang. In Aachen bedauere ich, keine Schloss für meine Packtaschen mitgenommen zu haben. Ich finde keinen sicheren, bzw. bewachten Platz für mein beladenes Fahrrad. Ich wäre so gerne wieder mal –  nach zirka 60 Jahren – in den Aachener Dom gegangen. Das ganze Gepäck in 4 Taschen zu tragen ist mir zu mühsam. So bleibt es bei einer Rundfahrt durch die Altstadt.

Also weiter nach Norden. Jetzt sollte ich bald am 1. Zipfelpunkt Deutschlands sein. Der westlichsten Stelle Deutschlands. Nirgendwo sehe ich einen Hinweis. Keiner weiss überhaupt davon. Ein Radfahrer begleitet mich ein schönes Stück Richtung Westen,er weiss aber auch nicht weiter obwohl er hier sein Leben lang wohnt. Ich passiere ein Schild: Selfkant. Und finde den Zipfelpunkt. Mit Gedenktafeln, kleinem Gebäude, Wand mit Lücke zum Durchschauen auf die Grenze. Diese Grenzstelle entstand erst durch eine Grensbegradigung. Ich bin gespannt, wie die anderen 3 Zipfelpunkte sein werden. Im Sommer auf Sylt der nördliche. Dann folgen noch der Östliche in Görlitz und der Südliche in Oberstdorf.  Diesen wollte ich ursprünglich am Unfalltag im Mai 2016 erreichen. In einem großen Kreis fahre ich zurück zur Hauptrichtung bis zur Hotelübernachtung in dem unscheinbaren Ort Heinsberg.

Tagesstrecke 134km

6. Reisetag  03.06.2017

Heinsberg-Rheinüberquerung-Uedem-Kirsel

In den nächsten 2 Tagen muss ich bei der Streckenwahl immer wieder auf die Karte sehen. Die Gegend ist mir völlig fremd, auch die meisten Ortsnamen habe ich noch nie gehört. Die Strecke der nächsten Tage wechselt unmerklich zwischen Deutschland und Niederlanden. Es ist jeden Tag beglückend, dass wir in Europa so selbstverständlich und unmerklich die Grenzen passieren können. Es ist manchmal schwierig zu erkennen in welchem Land ich gerade bin. Die Autokennzeichen sind überall teils deutsch, teils niederländisch. Die Ortsschilder sind dann die eindeutigen Hinweise. Mit großer Vorfreude suche ich mittags nach Pommes frittes.

In den Niederlanden sind die Häuser und Gärten extrem gepflegt. Sehr gute ausgebautes Radwegnetz. Das es nicht mehr weit zum Meer sein kann erkenne ich an den ersten riedgedeckten Häusern. Tief geduckte Dächer, Gärten voller Blumen.

Auf der Höhe von Venlo ziehe ich erstmals auf dieser Tour Regenkleidung an als es etwas nieselt. Es immer die gleiche Frage: warte ich  mit der Regenkleidung, bis es sich wirklich richtig regnet. Dann ist die Gefahr gross, schnell nass zu werden, bevor ich umgezogen bin. Oder praepariere ich mich rechtzeitig, fahre im Trockenen in der schweisstreibenden Schutzkleidung. So fängt es heute an. Aber als ich endlich wieder die Regenkleidung ausziehen will zieht ein schweres Gewitter auf. Starken Windböen entziehe ich  mich in einem Bushaltehäuschen. Esse meine Vorräte in der Zwangspause. Bei diesen Sturmböen ist an Fahrradfahren nicht zu denken.  Dann treibt mich der Wind schnell voran.

Morgen ist Pfingstsonntag. Einige Quartiere, die ich am späten Nachmittag anrufe, sind voll. Ich finde abseits der geplanten Strecke einen ehemaligen Bauernhof mit Quartier für Jugendgruppen. Erst nach intensivem Drängen darf ich in ein etwas  runtergekommenes, primitives Quartier im umgebauten Schweinstall für diese Nacht ziehen. Die Türscheibe ist zerbrochen. Wahrscheinlich von einem Ballspiel der Jugendlichen. Spaghettieessen mit der Bauerfamilie und vielen Jugendlichen  im ehemaligen Kuhstall.

So verschieden können die Nachtquartiere sein. Bin froh, diese Nacht überhaupt ein Bett im Trockenen gefunden zu haben.

Tageskilometer 111km

7.Reisetag 04.06.2017 Pfingstsonntag

Uedem-Kirsel bis Nordhorn

Kurz nach dem Start in Uedem-Kirsel übersehe ich eine Abzweigung. Denke, die Orientierung wird nach Gefühl auch klappen. Der Weg wird schmaler, die Bäume höher und enger. Es wird ein hügeliger, sandiger, ausgefahren-kurviger Singeltrail. An manchen Stellen so steil, dass ich schieben muß. Neben mir ein eng meandernder kleiner Bach, Tümpel, dichtes Unterholz – ein kleiner Urwald. Das Naturschutzgebiet:    erfahre ich später. Sehr schöne Überraschung. Kostete mich zwar fast 90 Minuten gegenüber der ausgerechneten Fahrzeit. Erfreue mich aber doch an der schönen Naturstrecke.

Im Kontrast zum Quartier in der letzten Nacht schlafe ich heute in einem ganz neuen Hostel: moveINN in Nordhorn. Ein Jugendhotel mit vielen Sportmöglichkeiten. Sehr zweckmäßige, schöne Architektur. Habe Glück: allein ein 4-Bett-Zimmer. Gefällt mit alles sehr gut. Zum Abendessen in die volle Altstadt. Viele Touristen, alle Straßenlokale überfüllt. Aber als Einzelperson finde ich doch einen Platz. Auf dem Rückweg Polizeieinsatz auf de Vechtesee. Wegen einer Wasserleiche? Erkennen kann ich nichts.

Tageskilometer 124

8. Reisetag 05.06.2017 Pfingstmontag

Nordhorn-Ditzum

Durch das Bourtanger Moorlange an einem Kanal entlang. Dann weiter westlich durch die Niederlande. Mit großer Vorfreude suche ich mittags nach Pommes frittes. Ich  meine mich zu erinnern, dass es in den 50iger Jahren meiner Kindheit in Deutschland noch keine Pommes frittes gab. Ich ass sie erstmals in Holland und dann mit der speziellen Mayonnese. Ich finde eine Art Pommes-Frittes-Schnellimbiss. Bin skeptisch, aber werde angenehm überrascht von der Qualität der Pommes. Nicht zu vergleichen mit unseren. Auf der Karte gibt es eine Fährverbindung von Delfzijl nach Emden. Aber ich kann nirgendwo erfahren, ob die Fähre regelmäßig fährt. Gehe auf Nummer sicher, radle rechts um den Dollard an den Deichen entlang.

Um 14.45h zeigt der Tourkilometerzähler: 1000km. Auch wenn das Wetter in dem Moment etwas regnerisch ist freue ich mich über die bisher so problemlos gefahrene Strecke. Weiter bis zu einem ganz kleinen Fischerdorf Ditzum. Dort gibt es einen tägliche Fährverbindung nach Emden. Die werde ich morgen nehmen. Jetzt noch Hotel suchen. Mehre Absagen. Dann schönes kleines Hotel gefunden. Anschließend Fischessen. Einen große Enttäuschung: große Portion, aber alles triefend von fett und dicker Panade. Sehr schade. Ist bei uns in Südbaden um Welten besser.

Tageskilometer 130km

9. Reisetag 06.06.2017

Ditzum-Fähre nach Emden-große Runde durch Ostfriesland-Wilhelmshafen-Dangast

Morgens setzte ich mit einer netten kleinen Fähre über die Ems. Die Industrie- und Hafenstadt Emden versuche ich schnell zu passieren. Dann folgt eine große Runde um Ostfriesland. Wenn ein Sohn mich nicht erinnert hätte wäre ich doch glatt an dem Leuchtturm von Pilsum vorbeigeradelt. Dabei kenne ich  ihn auch von Otto-Filmen. Er ist eine kleine Touristenattracktion. Strahlt in Rot-Weiss weithin sichtbar. Dann weiter nach Greetsiel. Schiebe das Rad durch ein Gedränge von Touristen und Verkaufständen. Und bin auf einmal am Fischkutterhafen. Da kommen Erinnerungsbilder von 1952! Hier waren meinen ältere Schwester und ich als kleine Kinder 4 Wochen bei einer Fischerfamilie untergebracht. Genau hier in einem alten Fischerhaus am Hafen. Der Fischer nahm uns mit auf seinem Krabbenkutter auf See. Alles roch in diesen 4 Wochen nach Fisch und Meer. Seitdem esse ich gerne Krabben. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, obwohl ich erst 4 Jahre war. Die Erinnerung berühren mich sehr.

Und heute ist es ein Disneyland-Trubel. Nichts wie weg. Nur noch kurzer Stop an den Zwillings-Windmühlen. Dann volle Kraft voraus. Rückenwind schiebt mich. Zwangspausse wegen heftiger Sturmböen. Er bringt die unüberschaubare Zahl an riesigen Windrädern zum Rasen. Teils machen sie laute Brummgeräusche. Schwarze Wolken am Himmel. Zusammen mit dem heftigen Wind etwas unheimlich. Noch schneller weiter durch Jever  Richtung Wilhelshafen. Es macht große Freude an den Deichen entlang zu radeln. Unübersehbare Zahl von Schafen. Weiter abends bis zum kleinen Badeort Dangast. Ich finde nach einigem Suchen ein Hotel für die letzte Übernachtung dieses Reiseabschnitts.

Tageskilometer 131km

10. Reisetag  07.06.2018

Dangast-Varel-Bremen-Ender der Tour

mit dem Mietwagen nach Lahr

Es regnet schon beim Aufstehen extrem stark. Der heftige böige Wind treibt den Regen fast waagerecht über das Land.

Noch im Hotel ziehe ich meine komplette  Regenkleidung an: Hülle über den Helm, Kapuze mit langem Halsteil unter dem Helm aber über den Halsausschnitt der Regenjacke. Lange Gummihandschuhe über den Radhandschuhen, lange Regenhose, lange Regenstulpen umfassen die Schuhe, aber unter der Regenhose. Die Augen geschütz von der Radbrille. So kommt der Regen nur in mein Gesicht. In der regendichten Schutzhülle fühle ich mich wie früher als Kind in einem kleinen Zelt bei prasselndem Regen.

Im Bahnhof von  Varel frage ich nach einer Fahrkarte von Bremen nach Lahr. Es gibt keine Möglichkeit heute mein Rad im Zug mitzunehmen. Dann hilft mir die freundliche Bahnmitarbeiterin bei der Suche nach einer Autovermietung.  Europcar liegt am Bahnhof. Ich weiss nicht warum, aber ich möchte eher dort ein Auto mieten als bei Sixt etc.

Also los: fast ohne Pause radle ich durch die tiefen Pfützen, ständig damit beschäftigt die heftigen seitlichen Sturmböen auszugleichen. Schwierig bei Büschen an Radweg, denn dazwischen muß ich mich gegen den Wind neigen, dann fehlt er plötzlich. Interessant ist eine große alte Hebebrücke über den Fluss Hunte. Ist nicht mehr in Betrieb. Daneben ist einen große neue Brücke.

Mittags um 13 Uhr sehe ich vor dem Bahnhof von Bremen das Schild von Europcar. Ich bin froh diesen Reiseabschnitt ohne Komplikationen oder Unfall überstanden zu haben. Es war eine lange Strecke, viele unterschiedliche Landschaften, viele sehr schöne Eindrücke an der Küste und den schönen Radwegen hinter oder vor den Deichen.

Das RieseMüller Homage lief perfekt ohne die kleinste Panne. Auch der heftige Regen hat der Elektorink nicht geschadet. Die Kleidung wasserdicht. Die Lenkertaschen und Packtaschen von Ortlieb wie erwartet perfekt

Ich bekomme bei Europcar einen VW Passat mit genug Platz für mein Fahrrad. Am Abend bin ich schon wieder in Lahr. Dieser Reiseabschnitt verlief optimal.

Tageskilometer 81km

Gesamtstecke  1247 km

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Reiseabschnitt

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Am Montag, 29.05.2017 werde ich meinen 2. Reiseabschnitt beginnen. Leider ohne den Anhänger. Jetzt muß ich mein Reisekonzept ändern. Nicht mehr in dem Anhänger schlafen, sondern in bed&bike-Quartieren, Bauernhöfen mit Gastzimmern oder doch in Gasthöfen und Hotels.

Mein Gepäck konnte ich dadurch jetzt sehr vermindern, es passt sehr gut in 2 Ortliebtaschen. Plus Lenkertasche und einer Gepäckträgertasche für Reserveakku, Ladegeräte.

Geplante Strecke: von Lahr nach Westen an den Rhein. stromab teils auf deutscher, teils auf französicher Seite bis zum Fluß Lauter, von dort durch den Pfälzer Wald nach Saarbrücken-Luxemburg- den Venn-Radweg nach Aachen. Anschließend wieder wechselnd auf deutscher oder niederländischer Seite Richtung Nordsee. Wieweit ich kommen werde wird sich zeigen.

Im August werde ich dann am jetzigen Endpunkt den 3. Reiseabschnitt starten.